Tempel von Apollon und Athene.
Tempel von Apollon und Athene.
Hafenmole von Side.
Die Hafenmole.
Ruine der Nekropole mit Wasserturm.
Ruine in der Nekropole.
Fußbodenmosaik.
Fußbodenmosaik.
Eine Ruine in den Dünen.
Ruine in den Dünen.

Das antike Side, Rundgang, Teil 5

Side in Pamphylien war in der Antike eine zeitweise reiche, lebendige und pulsierende Stadt. Die wieder ausgegrabenen Ruinen vermitteln ansatzweise den Glanz der Vergangenheit. Die hiermit einhergehenden Ausbeutungs­strukturen, die Armut und das damit verbundene Elend müssen wir uns hinzudenken. – Die Aufnahmen entstanden im September 2006.

Der vierte Teil des Rundgangs betrachtete das Theater von Side.

Vom Dionysos-Tempel zum Tempel von Apollon und Athene

Im heutigen Eingangs­bereich des Theaters von Side stehen die Überreste eines kleinen Tempels, der aufgrund dieser Nähe als Heiligtum des Dionysos gedeutet wird. Über mehrere Stufen gelangte man, vielleicht auch frau, zu einer von vier Säulen getragenen Vorhalle. Das eigentliche Heiligtum, die Cella, befand sich hinter einer Tür. Die Außenwände waren durch halbrunde Säulen gegliedert, als sogenannter Pseudo-Peripteros. Datiert wird dieser Tempel in die frühe römische Kaiserzeit. Beim Umbau bzw. Neubau des Theaters, vermutlich im 2. Jahrhundert unserer Zeitrechnung, wurde der Sockel des Tempels an seiner Südostecke vom äußeren Rundgang des Theaters überschnitten. Hierbei wurde der Tempel jedoch nicht abgetragen, statt dessen stellte man die Verkleidungs­platten der zerstörten Ecke auf der Rückseite in Form eines vorspringenden kleinen Sockels zusammen.

Der Ausgräber Arif Müfid Mansel geht davon aus, daß in byzantinischer Zeit, nachdem das Christentum die alten Kulte rigoros bekämpft hatte, der obere Aufbau des Tempels abgetragen wurde. Die Cella wurde durch eine unsorgfältig gebaute Mauer geteilt und auch als Laden genutzt. Wir stellen uns einfach einmal vor, daß muslimische oder hinduistische Extremisten eine Kirche derart zerstören würden. Was für ein Geschrei würde sich erheben. Aber wenn Christen das machen, dann ist das vollkommen in Ordnung, denn es vermittelt eine frohe Botschaft. Ich kenne keine historische Darstellung, die diese Art Barbarei anstößig gefunden hätte.

Tempel des Dionysos.

Bild 141: Zugegeben, ein wirklicher Blickfang ist diese Aufnahme nicht. Zwischen Absperrzaun und Theatergemäuer steht der Tempel des Dionysos.

Tempel des Dionysos.

Bild 142: Wir schauen von der Zugangstreppe ins Tempelinnere.

Tempel des Dionysos.

Bild 143: Hier ist das besser zu erkennen, dafür versperrt uns das Absperrgitter die ungestörte Sicht.

Tempel des Dionysos.

Bild 144: Seitenansicht.

Tempel des Dionysos.

Bild 145: Die Überbauung des ursprünglichen Tempels durch das Theaterrund.

Säulensammlung.

Bild 146: Diese Säulensammlung direkt am Bogentor könnte aus Teilen des Dionysos-Tempels bestanden haben; vermutlich werden hier aber die Fragmente der angrenzenden Säulenstraße ihr provisorisches Zuhause gefunden haben.

Die Säulenstraße zum Hafen

Im 2. Jahrhundert unserer Zeitrechnung begann eine zweite Blütezeit für die sidetische Elite. Sie prosperierte am steigenden Wohlstand der Region und trug ihren neu erworbenen Reichtum allenthalben zur Schau. Ähnlich wie heute wurden Ausbeutung und Elend in Kauf genommen, sollten aber möglichst nicht sichtbar sein.

Der archäologische Befund zeigt, daß Side an mehreren Stellen vollkommen umgekrempelt wurde. Wohl in der Nachfolge kleinerer Vorgänger­bauten wurden das Theater und der den Stadtgottheiten Athena und Apollon gewidmete Tempel errichtet. Das große Stadttor wurde dekorativ umgebaut und erhielt vor seinen Toren ein repräsentatives Brunnenhaus, das Nymphäum. Vermutlich fällt in dieselbe Zeit auch der Bau des Aquädukts von der Melasquelle bis in die Stadt hinein.

Innerstädtisch wurde der neue Reichtum durch zwei mit Säulen umfaßte Straßen dokumentiert. Die eine führte vom Stadttor nach Süden und endete an einem nicht genau greifbaren Punkt. Dahin werden wir noch kommen. Ob am Ende dieser Säulen­straße ein wichtiges Gebäude stand, ist unbekannt. Die andere Säulenstraße ging vom Stadttor nach Südwesten zur Agora. Dort knickte sie bewußt rechtwinklig ab und unterquerte das Bogentor. Danach nahm die Straße vom Theater aus ihre alte Richtung wieder auf und zog sich bis in die Hafengegend.

Der größte Teil dieser Säulenstraße ist nicht mehr erhalten. Als türkische Siedler gegen 1900 das Dorf Selimiye gründeten, räumten sie das, was ihnen im Weg war, aus demselben und verwendeten ansonsten großzügig die Steine der Ruinen für ihre eigenen Zwecke. Daher ist nur noch ein Teil der Säulenstraße in der Theatergegend erhalten. Wir betrachten hier jedoch nicht den Originalzustand der Antike. Die Ausgräber und Archäologinnen des 20. Jahrhunderts haben die herum­liegenden Steinfragmente dazu benutzt, eine gewisse Vorstellung vom ursprünglichen Zustand der Säulenstraße zu geben.

Säulenstraße.

Bild 147: Säulen gegenüber Theater und Dionysos-Tempel.

Kapitell.

Bild 148: Das Kapitell einer dieser Säulen im Detail.

Säulenstraße.

Bild 149: Mit Blick nach Westen und auf einen Rest der Stadt­befestigung.

Säulenstraße.

Bild 150: Mit Blick nach Westen und auf einen Rest der Stadt­befestigung, gepaart mit einem Schuß Kitsch und Sonnenuntergang.

Resre einer Kirche.

Bild 151: Wenn wir dem örtlichen Führer durch Side Glauben schenken wollen, muß die byzantinische Stadt mehrere kleine Basiliken gehabt haben. Waren die damaligen Zeiten für die örtliche Bevölkerung so schwer, daß sie derart viel Opium des Volkes benötigt hat?

Säulenstraße.

Bild 152: In aller Pracht und Vollständigkeit imaginiert muß das Ensemble schon beeindruckend gewesen sein.

Säulenstraße.

Bild 153: Fragment.

Säulenstraße.

Bild 154: Ein weiteres Fragment.

Säulenstraße.

Bild 155: Ein paar dekorative Reste wurden zu einem Rund zusammengestellt.

Am Theater.

Bild 156: Noch am Theater.

Am Theater.

Bild 157: Als Sitzbank im Sommer wohl viel zu heiß.

Selimiye und die Großen Thermen

Selimiye ist eine relativ junge Siedlung, die auf den Ruinen des antiken Side errichtet wurde. In den 90er Jahren des 19. Jahrhunderts ließen sich hier Flüchtlinge aus Kreta nieder. Sie hatten verständlicher­weise wenig Sinn für die Ruhmestaten der Vergangenheit und nahmen sich an Baustoffen, was sie verwerten konnten. Die so errichtete Siedlung überdeckt den südlichen Teil der alten Stadt und ließ nur wenige Stätten der Vergangenheit unbehelligt stehen, etwa die Großen Thermen. Es soll im Verlauf des 20. Jahrhunderts, als die historische Bedeutung der Stadt erkannt worden war, sogar Pläne gegeben haben, die Bewohnerinnen und Bewohner Selimiyes (zwangsweise) erneut umzusiedeln, um der archäologischen Forschung neue Grabungs­möglichkeiten zu eröffnen. Doch es kam anders. In den 70er Jahren entdeckte der Tourismus die Sandstrände von Side. Selimiye mauserte sich zum großen Basar für alle kitschigen Bedürfnisse des modernen Massentourismus.

Die Großen Thermen von Side wurden im 3. Jahrhundert unserer Zeitrechnung erbaut und im 5. oder 6. Jahrhundert renoviert. Zu diesen Thermen gehörte ein kleiner Markt mit mehreren Geschäften. Sie war bei einer Stadt in der Blüte des Wohlstands ihrer Eliten selbst­verständlich mit Marmor ausgekleidet und mit kunstvollen Säulen geschmückt. Neben diesem Bau gab es eine weitere Therme am Hafen.

In der Nähe beider Thermen lag am Ostufer der Tempel des Mondgottes Men. Er kam im Zuge der Orientalisierung des römischen Kaisertums unter den Severern gegen 200 unserer Zeitrechnung nach Side.

Selimiye.

Bild 158: Der Ort ist ganz auf die Bedürfniisse des Tourismus ausgerichtet. Genauer: die Abschöpfung der Kaufkraft desselben.

Selimiye.

Bild 159: Praktische Resteverwertung.

Große Therme.

Bild 160: Die große Therme.

Große Therme.

Bild 161: Die große Therme.

Große Therme.

Bild 162: Die große Therme.

Große Therme.

Bild 163: Die große Therme.

Tempel des Men.

Bild 164: Tempel des Mondgottes Men.

Die Tempel von Apollon und Athene

Die Säulenstraße endete am Fuße der Tempel von Apollon und Athene direkt am Meer. Zwar gibt es keine eindeutigen archäologischen Belege oder Inschriften, aber anhand von Münz­darstellungen ist davon auszugehen, daß der kleinere der beiden Tempel dem Apollon und der etwas größere der Athene geweiht waren. Gott und Göttin galten als die Beschützerinnen des Hafens und der Seefahrt. Beide Tempel wurden wahr­scheinlich in der 2. Hälfte des 2. Jahrhunderts unserer Zeitrechnung errichtet. Angaben darüber, ob es an derselben Stelle Vorgänger­bauten gegeben hat, sind nicht vorhanden. In byzantinischer Zeit wurden bei der Errichtung der dreischiffigen Basilika beide Tempel überbaut und teilweise inkorporiert. Das in Teilen durchaus heidnische Christentum machte sich die besondere Heiligkeit dieses Ortes sozusagen als spirituellen Mehrwert zunutze. An den Längs­seiten der beiden Tempel standen elf Säulen, an der Vorderseite und an der Rückseite jeweils sechs. Die Säulensockel aus Marmor sind im attisch-ionischen Stil gehalten, die Kapitelle im korinthischen. Der Apollontempel besaß einen Fries mit der Abbildung von Medusenköpfen.

Stimmungsbild.

Bild 165: Klassisches Motiv: die Tempel in der Abendsonne.

Stimmungsbild.

Bild 166: Der Tempel und das Meer.

Der Tempel.

Bild 167: Einer der ungewöhnlichen Momente, in dem einem nicht Menschen durch das Bild laufen.

Der Tempel.

Bild 168: Die Mauer der Basilika im Hintergrund läßt erahnen, mit welcher Wucht die antike Anlage überbaut worden ist.

Der Tempel.

Bild 169: So als wollte man sicher gehen, daß das Alte im Neuen aufgeht und in diesem eingemauert wird.

Bruchstück.

Bild 170: Auch hier liegen viele Bruchstücke herum. Hieraus einen Teil der Tempel zu rekonstruieren, wäre wohl zu ambitioniert.

Bruchstück.

Bild 171: Somit können auch zukünftige Generationen von Touristinnen und Touristen die versteinerte Vergangenheit als Trophäe besteigen.

Bruchstück.

Bild 172: Dieser Säulenstumpf wird wohl solange stehen bleiben, bis ein heftiges Beben die Erde erschüttert.

Die Tempel.

Bild 173: Blick vom modernen Hafen auf die beiden Tempelruinen und die Hafenbasilika.

Die Hafenbasilika

Mit dem durch einen kaiserlichen Erlaß Ende des 4. Jahrhunderts verordneten Sieg des Christentums über die alten Religionen der Antike vollzieht sich nicht nur ein religiöser Bruch. Die sich ändernde Religiosität kündigt das Ende der Antike und den Beginn des Feudalismus an. Da die Ausübung religiöser Kulte schon seit Jahrtausenden Sache der herrschenden Klasse bzw. des von ihr gestellten staatlichen Oberhauptes gewesen ist, ist es auch wenig verwunderlich, wenn sich in der Spätzeit des röischen Kaisertums der gesellschaftliche Wandel auf die Einbindung sich ändernder spiritueller Glaubens­vorstellungen stützt.

Augenfällig wird dieser Wandel in Side durch den Bau der am Hafen gelegenen Basilika. Während die alten Tempel dem Verfall anheim gegeben werden, werden neue religiöse Zentren, nämlich Kirchen und Basilikas, errichtet. Die am Hafen gelegene, wahrscheinlich im 5. Jahrhundert erbaute Basilika inkorporierte die beiden Vorgängerbauten und nutzte teilweise deren Bausubstanz. Diese Basilika besaß ein Atrium von 46,5 Meter in der Länge und 38,5 Meter in der Breite und verkündete in ihr das angebliche Wort des neuen Gottes.

Das Atrium war längsseits im Norden und Süden mit von steinernen Halbkuppeln überdeckten Nischen ausgestattet, von denen die nördliche Seite noch recht gut erhalten ist. Die Basilika war mittels zweier Reihen von zwölf Säulen in drei Schiffe unterteilt. Die Säulen wie auch die reich geschmückten Architrav­blöcke sind zum größten Teil verschwunden; sie stammten gewiß aus römischen Bauten. Diese Basilika wird im Verlauf der nachfolgenden Jahrhunderte verfallen sein. Sie wurde wahrscheinlich im 8. oder 9. Jahrhundert durch eine kleine Kirche ersetzt, die noch zum größten Teil erhalten ist. An der Westseite befand sich ein Narthex, woran sich zweigeschossige Räume mit einem runden Turm anschließen.

Hadenbasilika.

Bild 174: Der besser erhaltene westliche Teil der Hafenbasilika.

Hadenbasilika.

Bild 175: Der nördliche Teil der Hafenbasilika.

Hadenbasilika.

Bild 176: Narthex und Turm.

Hadenbasilika.

Bild 177: Nischenwand der Hafenbasilika.

Hadenbasilika.

Bild 178: Die Apsis der Hafenbasilika.

Hadenbasilika.

Bild 179: Seitenbau der Hafenbasilika.

Hadenbasilika.

Bild 180: Hier ist zu erkennen, wie die kleinere Kirche in die Hafenbasilika eingepaßt wurde.

Für den sechsten Teil des Rundgangs machen wir uns nun auf den Weg zur Staatsagora.

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