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Walter Kuhl
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Rezensionen / Buchbesprechungen

Egon Krenz : Gestaltung und Veränderung

Buchcover.

Egon Krenz : Gestal­tung und Verände­rung. Erinne­rungen, edition ost, Berlin, Dezem­ber 2023, 446 Seiten, € 26,00.

Der zweite Teil der Memoiren des letzten General­sekretärs der Sozialisti­schen Einheits­partei Deutsch­lands (SED) ist keine Auto­biografie im eigentlichen Sinne. Zwar wird sein Buch über die Gestaltung und Veränderung der DDR von 1974 bis 1988 auch als solche beworben, aber der Begriff Erinnerungen trifft es schon eher. Egon Krenz hat seine Notizen und Aufzeich­nungen sowie sein umfang­reiches Dokumenten­archiv dazu genutzt, uns einen Blick auf politische Entscheidungs­prozesse auf höchster Ebene zu bieten, der sich wohltuend vom Geraune westlicher sogenannter Experten unter­scheidet.

Sicherlich sind seine Erinnerungen subjektiv und leider auch häufig nicht tief­schürfend genug. Aber wer in der Retro­spektive eine DDR kennen­lernen oder wieder­entdecken will, wie sie sein wollte und doch nicht war, was sie zu leisten imstande war und wo ihre inneren und äußeren Grenzen der Gestaltung lagen, erfährt hier mehr als in von westlicher Ideologie triefenden Büchern oder aus Artikeln in den Bild­zeitungen für das einfache Volk und denen für die gebildeten und sich auf ihre liberale Demokratie etwas ein­bildenden Eliten. 

Kennenlernen

Mir begegnete die DDR erstmals zu Beginn der 1970er Jahre bei einem Verwandten­besuch der einge­heirateten zweiten Ehefrau meines Vaters in Thüringen. Meine Erinnerungen daran sind ver­waschen. Vielleicht lag es am neblig­trüben Wetter bei der Ankunft in Eisenach, daß ich sie etwas schmuddelig fand, vielleicht auch am Getuschel der Älteren, die nicht laut zu sagen wagten, was sie so dachten. Die Erwachsenen separierten sich bei einem Spazier­gang von den Kindern und tauschten sich aus. Das hinter­ließ einen Eindruck, als ob dieses andere Deutsch­land nicht nur etwas Befremd­liches, sondern auch Gefähr­liches war.

Bald darauf, ab Februar 1972, debattierte der Deutsche Bundestag über die zwischen der sozial­liberalen Koalition und der Sowjet­union bzw. Polen geschlos­senen soge­nannten Ostverträge. Im April 1972 versuchte die revanchis­tische CDU/CSU, den amtierenden Bundes­kanzler Willy Brandt zu stürzen. Abgeordnete wurden gekauft, um Mehrheits­verhältnisse zu verändern oder zu zementieren. Eine dieser Debatten wurde im öffent­lich-rechtlichen Hörfunk über­tragen. Die historische Bedeutung der Ratifi­zierung dieser Verträge war offen­sichtlich. Es gab schulfrei, um unter begleitender medien­pädagischer Aufsicht im Eltern­haus dieser Debatte zu lauschen: gleich­zeitig wurde sie auch im Schulradio meiner Schule in Köln verbreitet. Ich war sicherlich zu jung, um zu verstehen, was da ablief. Aber durch mein sozial­demokratisch beein­flußtes Eltenhaus war eine gewisse Sympathie für eine bestimmte Position unver­meidlich.

Seitdem stand für mich die Existenz der DDR als eigen­ständiger deutscher Staat außer Frage. Ich hatte genug damit zu tun, die bundes­deutschen Verhält­nisse verstehen und kritisieren zu lernen. Der Deutsche Herbst machte mich zu einem West­linken, der auf kritische Distanz zur Sozial­demokratie und den deutschen Verhält­nissen ging.

Mein Geschichts­studium in Tübingen eröffnete mir einen weiteren Zugang zur DDR und zu Osteuropa. Dabei war es weniger der dort vorzu­findende Lehrstoff, der mich leitete, sondern die eigen­ständige Suche nach dem Ver­ständnis von dem, was in Osteuropa und der Sowjet­union als Sozialismus galt. Mein sich ent­wickelndes Interesse am Werk von Karl Marx und daran anschlie­ßend dem westlichen Marxismus sagte mir, daß dieser Sozialismus irgende­twas anderes als Kapitalis­mus war, aber gewiß nicht das, was wir uns im Westen als Sozialismus dachten. „1968“ war noch lebendig und eine wichtige Erfahrung, welche die Jugend in der DDR nie hatte machen können und dürfen.

Angelehnt an das Tübinger Osteuropa-Institut bildete sich ein Sozialis­tisches Osteuropa-Komitee, das mir wichtige Impulse ver­mittelte. Wir lasen Rudolf Bahros „Alternative“ (ein Buch, an das ich keinerlei Erinnerung mehr habe) und verfolgten aufmerk­sam die Streil­bewegung in Polen 1980/81 und die daraus hervor­gehende Gewerk­schaft Solidarność. Am 13. Dezember 1981 ver­kündete General Wojciech Jaruzelski im Auftrag der polnischen Arbeiter­partei (und wohl auch des großen Bruders weiter östlich) das Kriegs­recht und begann damit, die Streik­bewegung zu zerschlagen. In Tübingen fanden zeit­gleich die „Inter­nationalismus-Tage“ statt. Wir diskutierten über die neo­koloniale neue inter­nationale Arbeits­teilung im Süden, die westliche politische und Wirtschafts­dominanz und auch die Vorgänge im Osten; nur China hatten wir mangels brauch­barer Einschätzungen noch nicht auf dem Schirm. Spontan bildete sich am Abend ein Demon­strations­zug gegen diesen eindeutig konter­revolutionären Akt. Ein Sozialismus, der sich mit Gewalt gegen seine eigenen und eigent­lichen Trägerinnen und Träger zu behaupten versucht, ist kein Sozialismus, allenfalls (sur)real. 

Diese vielleicht etwas lang­atmige Vorbe­merkung halte ich für notwendig. Der politische bzw. ideologische Stand­punkt des Betrachters sollte sich nicht ver­stecken, sondern offen ausge­sprochen werden. Autorinnen und Autoren westlicher Provenienz, welche die DDR für unfrei, undemo­kratisch, ja diktatorisch, und wirt­schaftlich rückständig halten, sollten genauso sagen, für welche Alternative sie stehen. Mehr als 500 Jahre Kapitalis­mus erscheinen als eine ungeheure Gewalt­ansammlung  von Ausbeutung, Armut, Hunger, Kriegszügen, der Aus­plünderung ganzer Regionen und mit diktato­rischen Regimes, die bestens mit der westlichen Werte­gemeinschaft harmonieren. Genauer: exakt dies macht die westliche Werte­gemeinschaft aus; hier gibt es keine Abweichung von einem demo­kratisch-liberalen Ideal. Das war so bis heute und wird es auch morgen sein. Beim Lesen von Egon Krenz' Erinnerungen beschleicht mich das Gefühl, daß ein solches Ver­ständnis den leitenden Akteuren voll­kommen unklar gewesen ist. Jeden­falls haben sie sich nicht adäquat verhalten. Sie haben den Zynismus der herr­schenden Klasse(n) im Westen voll­kommen unter­schätzt.

Spielräume

Der zweite Teil seiner Erinnerungen setzt 1974 mit seiner Berufung zum Ersten Sekretär des Zentralrats der FDJ ein. Dies gibt ihm Gelegen­heit, diese Jugend­organisation ausfürhr­lich vorzu­stellen. Gewiß idealisiert er die Organisation von Kindern und Jugendlichen in einem sich als sozialistisch verstehenden Staat. Dennoch findet sich hier eine der Stärken seines Buches. Er erklärt uns die DDR. Er erklärt sie uns aus dem Innen­leben und dem Selbst­verständnis der sie Leitenden. Er gibt dabei jedoch auch einen Ton vor, der das gesamte Buch durchzieht. 

„Wir beschlossen auf dem Parteitag 1976 ein neues Programm und ein neues Statut. In beiden Dokumenten war die Verpflichtung enthalten, ‚gegen Schön­färberei aufzutreten und gegen die Neigung, sich an Erfolgen zu berauschen‘. Doch wir selbst übersahen nicht selten, dass dies nur funktionierte, wenn die Partei­führung dafür selbst ein Beispiel gab.“ 

Und das tat sie nicht oder nur sehr ungenügend. Als gutes Vorbild diente sicher nicht, sich in modernen westlichen Volvos durch die Gegend kutschieren zu lassen, anstatt wie das einfache Volk einen Trabbi oder Wartburg zu nehmen, nach ange­messener Wartezeit natürlich. Die Volcos will Egon Krenz zwar schon damals nicht als gut befunden haben, aber daran geändert hat er auch nichts. Nur nicht aus der Reihe tanzen und immer die Partei­disziplin wahren.

Die Frage stellt sich grund­sätzlicher in Bezug darauf, was er selbst unter­nommen hat, die hehren Ziele zu verwirk­lichen. Einen gewissen Spielraum hatte er. Er wurde 1976 Kandidat des Polit­büros der SED und 1983 dessen Voll­mitglied. In den Jahren danach galt er den westlichen Orakel­deutern geradezu als „Kronprinz“ von Erich Honecker. Von eigenen tatkräftigen Maßnahmen gegen diesen Rausch ist im Buch nicht viel zu spüren. Das zugehörige Problem liegt aber tiefer.

Als die DDR in Abgrenzung zur 1949 voll­zogenen Zusammen­fassung der drei Westzonen zur Bundes­republik gegründet wurde, stand sie im eskalierenden Kalten und in Korea auch heiß geführten Krieg zwischen den Fronten. Sie konnte nur sehr begrenzt eigen­ständig außen­politisch agieren, denn den Ton gab die Sowjet­union an. Der Kalte Krieg hinterließ Spuren. Einge­zwängt zwischen sowjetischer Bevor­mundung und dem politischen Druck der USA, der Bundes­republik und der Kriegs­organisation NATO blieb nur wenig Spielraum. Wirt­schaftlich einge­bunden in den Rat für gegen­seitige Wirtschafts­hilfe (RGW), gezeichnet von der Demontage von wichtigen Industrie­anlagen und Eisenbahn­strecken durch die sowjetischen Besatzungs­truppen, und finanziell abgekoppelt von der westlichen Welt­wirtschaft war an eine eigen­ständige Entwicklung nur schwer zu denken. Die ökonomi­schen Ressourcen reichten nie aus. Sozialismus in nur einem Land ist eine Unmög­lichkeit; und trotz eines gewissen Austausch von Rohstoffen, Industrie­gütern und Agrar­erzeugnissen waren die Länder der sogenannten Wirtschafts­hilfe weit­gehend auf sich selbst gestellt. Während die Bundes­republik von Marshall-Plan, Währungs­reform und westlicher Integration profitierte, geriet die DDR im Vergleich zu einem Armenhaus. Dies war zwangs­läufig so, das Problem wurde aber durch die politischen und wirt­schaftlichen Maßnahmen zum Aufbau einer eigenen Schwer- und Konsum­güter­industrie in den vier Jahrzehnten der Existenz dieser Gesell­schaft auch nicht wirklich gelöst.

Dieser eingeschränkte Spielraum durchzieht ebenso diesen zweiten Band der Erinnerungen von Egon Krenz. In seiner Erklärung der DDR für westliche Dummies beschreibt er sehr anschaulich, wie Entscheidungs­prozesse zum einen durch den Staatsrats­vorsitzenden Erich Honecker mono­polisiert, zum anderen aber durch die Devisen­beschaffungsmaßnahmen des zuständigen ZK-Sekretärs Günter Mittag unter­laufen wurden.

In den 1970er Jahren begannen sich mehrere ost­europäische Staaten bei westlichen Banken und dem IWF zu verschulden. Sie alle standen vor demselben Problem. Die eigenen Ressourcen reichten nicht aus. Es bedurfte gezielter Importe aus dem Westen. Die Revolte der Arbeiter­innen und Arbeiter im Juni 1953 wie in Danzig und Stettin 1970 zeigte, daß es nicht anging, der prekären Versorgungs­lage an Konsum­gütern, speziell an Lebens­mitteln, durch Norm- oder Preis­erhöhungen zu begegnen. Es mußten Waren aus dem so reichen Westen ins Land herbei­geschafft werden, und das ging nur über Devisen. Diese wiederum mußten durch ver­stärkte Exporte besorgt werden. Solange die westliche Welt­wirtschaft in den 1970ern florierte und Produkte aus Polen, Ungarn oder der DDR auf dem Weltmarkt konkurrenz­fähig waren, konnte dieses Modell leidlich gut funktio­nieren. Es gab jedoch mehrere Haken. Zum einen wurde die eigene Ökonomie für den Export geplündert, zum anderen führte die Speziali­sierung auf bestimmte Produkte zu ganz eigenen und der gesamt­gesell­schaftlichen Planung nicht förderlichen Abhängig­keiten. Stockte die Wirtschaft im Westen oder stiegen die Zins­sätze drastisch an, hatte dies desaströse Folgen für die Wirt­schaften der RGW-Staaten. Die Banken und der IWF kannten schon ganz eigen­nützig kein Erbarmen, und dann bot sich noch die wunderbare Gelegen­heit, den realen Sozialismus zu erdrosseln.

Hinzu kam eine teils ineffektive büro­kratisierte Organi­sation der Wirtschaft. Die Sowjet­union sah sich seit Beginn der 1980er Jahre nicht mehr in der Lage, Getreide und Erdöl wie vorher und zu Vorzugs­preisen an die Bruder­staaten zu liefern. Das Erdöl wurde von der Sowjet­union selbst benötigt, um Devisen für Getreide­importe zu beschaffen. Als offizieller Grund wurden Mißernten kommuniziert. Über­prüfbar war das nicht. Tatsäch­lich war die Miß­wirtschaft der organi­sierten büro­kratischen Korruption derart ineffektiv geworden, daß sogar bei guten Ernten Transport und Weiter­verarbeitung nicht mehr gewähr­leistet waren. Sympto­matisch für dieses system­inhärente Versagen war ein Vorgang aus dem Oktober 1985. Erich Honecker rief bei Egon Krenz an. Es gebe ein Problem. Aufgrund einer Mißernte (also Miß­wirtschaft) seien in Leningrad nicht genügend Kartoffeln ver­fügbar und der Winter stehe vor der Tür. Gorbatschow bat um Hilfe. Es sollten mal kurz eine Million Tonnen Kartoffeln aus aktueller Ernte und den Vorräten der DDR abgezwackt werden. Gedanken an die Hunger­blockade der Stadt durch Nazis und Wehrmacht kamen auf. Natür­lich half die DDR. Nur, wie sollte diese Menge organi­sisert werden? Man einigte sich auf die Hälfte und behandelte Beschaffung und Transport wie eine militärische Operation. Und es klappte, die Kartoffeln kamen in Leningrad an. Doch dann stellte sich heraus, daß sich dort keine und niemand für die Weiter­leitung verant­wortlich zeigte. Die Kartoffeln lagen nach dem Ausladen irgendwo herum, Frost zog auf und die Kartoffeln begannen zu faulen. Der Skandal wurde beim Lieferanten ruchbar und Gorbatschow selbst sah sich gezwungen, sich darum kümmern. Irgendwer wird schon für schuldig befunden worden sein.

Frieden mit dem Klassenfeind

In den Jahren 1976 bis 1988 (hier endet der zweite Band) bewegte sich Egon Krenz im Zentrum der Macht. Viele seiner Geschichten haben etwas Anek­dotisches, aber sie sind immer politisch. Und meist ist Erich Honecker die Haupt­person und er selbst Befehls­empfänger. Eigentlich ist dieses Buch eine Geschichte über Erich Honecker und seinen sich langsam anbah­nenden geistigen Verfall. Das Spannende daran ist, daß und wie Erich Honecker zwischen den Anfor­derungen aus der Sowjetunion und der Realpolitik gegenüber der Bundes­republik lavierte. Da handelt kein harter Hund, sondern ein geschmeidiger Politiker, der sehr wohl die Souveräni­tät der DDR als eigen­ständigen Staat am Rande der Kon­frontation vertrat, gegenüber Ost und West. Das Lavieren hatte jedoch einen hohen Preis. Der Klassen­standpunkt ging langsam, aber unauf­hörlich flöten.

Mit der Präsident­schaft des dritt­klassigen Schau­spielers Ronald Reagan kam eine neue Schärfe in den Beziehungen zwischen den beiden Blöcken auf. Dies hatte nichts mit den persön­lichen Vorlieben oder Anti­pathien des Präsidenten zu tun. US-Präsidenten handeln selten eigen­ständig. Sie sind ein- und angebunden an das, was schon Präsident Eisenhower in seiner Abschieds­rede 1961 den militärisch-indus­triellen Komplex genannt hatte. Hatte in den 1970er Jahren die von der deutschen Sozial­demokratie maßgeblich mit­bestimmte Entspannungs­politik darauf gesetzt, den realen Sozialismus umgarnen und mit guten – und insbe­sondere dem west­deutschen Kapital Profit ver­schaffenden – Wirtschafts­beziehungen ködern zu können, so wurde in den 1980ern verstärkt zweigleisig verfahren. Dies war keine wirklich einheit­liche Strategie des Westens. Die USA und die BRD hatten durchaus unterschied­liche Interessen und Vor­stellungen, auch wenn Egon Krenz uns einen Vasallen­status der BRD nahelegt. Imperialisten sind sich nicht immer einig. Aber mit Reagan konnte man das Spiel „guter Bulle, böser Bulle“ noch einmal ganz neu aufziehen. Seine berüchtigte Mikrofon­probe, in fünf Minuten mit der Bombar­dierung der Sowjet­union beginnen zu wollen, war vielleicht nur ein peinlicher Schau­spielerwitz. Aber er legte das Innerste aus dem Seelen­leben dieses Clowns und seiner Entourage offen. Die USA hatte eine Raketenlücke entdeckt, die unbedingt mit neuen Marschflug­körpern auf dem Gebiet der alten Bundes­republik zu schließen war. Der damalige Bundes­kanzler Helmut Schmidt beteiligte sich daran. Der Wandel durch Annäherung wurde ergänzt durch einen dezidierten Plan, die Sowjet­union totzu­rüsten, ohne einen Krieg (schon gar nicht in fünf Minuten) führen zu müssen. Es reichte ja, mit massiv aufgezogenen Manövern wie Autumn Forge 1983 die paranoiden Geronto­kraten in Moskau zu erschrecken. Wer wollte schon unter­scheiden können, ob der Westen es diesmal ernst meinte oder nur bluffte?

Die DDR wurde nicht gefragt. Die Sowjet­union stationierte als Antwort eigene Raketen in einer Nacht-und-Nebel-Aktion. Ich weiß nicht, wie ich das gefunden hätte, hätte ich schon damals in Sachsen gelebt. Wenn ich mir überlege, daß mehrere Bunker mit gefechts­bereiten SS-12-Raketen nur wenige Kilometer von meinem heutigen Wohnort entfernt gut getarnt im Wald errichtet wurden, dann finde ich das im Nach­hinein durchaus beängstigend. Wurde schon die eigene Bevölke­rung nicht informiert oder gar einbezogen, so wußte der Feind im Westen aufgrund eigener über­legener Aufklärung sicherlich Bescheid, wo er im Falle eines Falles zuschlagen mußte.

Hier setzt eine ganz eigene Episode ein, die uns als Linke im Westen einiges Kopf­zerbrechen bereitet hat. Wir kannten unsere Imperialisten; als Internationa­listinnen und Internationa­listen hatten wir Vietnam und Kambodscha, Griechen­land und Chile, und die ganzen anderen von den USA angeleiteten Militär­diktaturen in Latein­amerika im Blick. Die Sandinisten im kleinen Nicaragua befanden sich im Fokus von CIA und US-angeleiteten Contras. Die SED hingegen steuerte die kleine west­deutsche Kommunis­tische Partei als Friedens­bringer. Das alleine war nicht das Problem, wohl aber die Politik, die damit verbunden war. Sie lief auf Klassen­kollaboration hinaus. Ein möglichst großes Bündnis aller fried­liebenden Kräfte sollte möglichst weit in das west­deutsche Bürgertum und die herr­schenden Parteien hinein­reichen. Wo ein Klassen­stand­punkt unbedingt erforder­lich gewesen wäre, wurde der Klassen­kampf gescheut. Honecker und Brandt, Honecker und Schmidt, Honecker und Kohl, ja sogar Honecker und Strauß fanden Gefallen aneinander. „Im Politbüro hatten wir den Eindruck, dass die beiden sich mochten.“ 

Dieses Herum­lavieren mit der west­deutschen Bourgeoisie und ihren politischen Vertretern verwirrte nicht nur die west­deutsche Linke, sondern auch die Kader der ost­deutschen Partei und erst recht die ideologisch nur halbherzig geschulte Bevölke­rung. Deren Kontakte zur west­deutschen Verwandt­schaft waren nach 1945 nicht abgerissen. Telefon­leitungen, soweit geschaltet, glühten und führten zu langen Wartezeiten an beiden Enden. Briefe und Päckchen und erst recht die Besuche aus dem so freien Westen brachten neues Ungemach. Nicht nur, daß die Sowjet­union (zurecht) eine ideologische wie wirt­schaftlche Destabili­sierung ihres äußersten westlichen Vor­postens befürchtete. Die west­deutsche D-Mark, die ungehindert ins Land floß, war Fluch und Segen zugleich. Einerseits galt es, den Rahm abzu­schöpfen, anderer­seits avancierte das Westgeld zur bevorzugten Währung im Osten.

Ohne Herz

Pragmatisch eröffnete die DDR Intershops, damit das Westgeld zu fest­gesetzten Kursen einge­sammelt werden konnte. Dafür mußten jedoch die begehrten Waren aus dem Westen erst noch eingeführt werden, was neue Probleme aufwarf. Die Devisen­beschaffung erschuf ihre eigenen büro­kratischen Blüten. In einem Neubau­gebiet in Mecklen­burg sollte 1980 ein Valuta­laden eröffnet werden – direkt vor einer Ober­schule. Das gab Ärger vor Ort. Wie sollten der eigenen Jugend die Vorzüge des Sozialismus ver­mittelt werden, wenn direkt vor der Bildungs­stätte die Vorzüge des Kapitalis­mus ausgebreitet wurden? Egon Krenz, der seine Kindheit in der unmittel­baren Nähe verbracht hatte, schaltete sich ein und sorgte dafür, daß dieser Unfug an dieser Stelle nicht verwirk­licht wurde.

„Die Gründe für den Weggang aus der DDR waren […] auch herzlose Entscheidungen staatlicher Organe.“  Nun ist es seit jeher das Credo jeglicher Bürokratie gewesen, emotions­los das Wesen der herrschenden Ordnung zu exekutieren. Im westlichen büro­kratischen Sprach­gebrauch wird gerne der Ermessens­spielraum angeführt, der jedoch selten zugunsten der Betroffenen wirkt. Das war in der DDR nicht anders. Dies verweist auf die jeweilige spezifische Ordnung, in der die Politik der Funk­tionäre häufig an den Wünschen und Bedürf­nissen der so bevor­mundeten Bevölkerung vorbei­läuft. Das konnte auch aus objektiven Gründen kaum anders sein. Die DDR besaß einfach nicht die Ressourcen, um sich einerseits eigen­ständig zu entwiclekn und anderer­seits ein Mindestmaß an Konsum­zufriedenheit herzu­stellen. Die Reise­freiheit scheiterte nicht nur an politi­schen Vorgaben, sondern oftmals auch schlicht an der Ausstattung der Reise­willigen mit Westgeld. Doch auch hier hätte es mehr Ermessens­spielraum geben können. Wo in Leningrad die Kartoffeln verfaulten, gab es in der DDR genügend Potenzial für solideres Wirt­schaften und eine bessere Ver­sorgung. In den real­sozialistischen Staaten Polen und Ungarn wurde in den 1980er Jahren als Lösung derartiger Probleme offen von den Selbst­heilungs­kräften des Marktes gesprochen. Die dortigen Büro­kraten waren am Ende; sie kapitu­lierten. Der Siegeszug des durch­geknallten neo­liberalen Kapitalis­mus war dort unver­meidlich und voraus­zusehen. Er kam jedoch schneller als erwartet.

Bemerkens­wert ist ja, daß bei der „Wende“ – ein Begriff übrigens, den Egon Krenz eingeführt hat – 1989/90 ein nicht geringer Teil der DDR-Bevöl­kerung seine sozialis­tische DDR beibe­halten wollte, oder genauer: eine sozia­listischere demo­kratische DDR haben wollte . Das Ansinnen hatte zwar keine Chance verwirk­licht zu werden, verweist aber darauf, daß die Stimmung in der Bevöl­kerung durchaus produktiv zu nutzen gewesen wäre. Dies hätte jedoch voraus­gesetzt, daß die alten Herren im Zentral­komitee und im Politbüro recht­zeitig abgetreten wären und neuen jungen Kräften Platz gemacht hätten. Nun ist eine Geronto­kratie kein Marken­zeichen des realen Sozialismus. Wenn sich die doch recht betagten Herren Trump und Biden im US-Wahl­kampf gegenüber­stehen oder sich in manch anderen Staaten auto­kratisch herr­schende Potentaten bis zum Scheintod an der Macht fest­halten, dann ist das kein Zufall, sondern patriar­chales Prinzip. In der DDR jedenfalls war kein Prozedere für die Übergabe der Macht an die nächste Generation vorge­sehen. Egon Krenz, der Berufs­jugendliche der FDJ, mußte 1983 mit 46 Jahren geradezu darauf insistieren, daß es nun Zeit sei, ihn als Ober­haupt der FDJ abzu­lösen. Eklatanter war dies im Politbüro, wo die alte Garde einfach nicht wahr­haben wollte, daß es Zeit war zu gehen. Es gab keine Regularien dafür. Den Chef zu stürzen, hätte wohl eher Chaos verbreitet. Was wäre das auch für ein Sozialismus, in dem eine kleine Gruppe putschen muß, um die Situation im Lande zu verbessern?

Dieser zweite Band der Erinnerungen von Egon Krenz ist durch­zogen von dem großen Wider­spruch, eine sozialis­tische Gesell­schaft mit bescheidenen Ressourcen aufbauen zu wollen – und das ist noch bemerkens­wert gut gelungen – und den frei­schwebenden Entschei­dungen der Funktionäre. Kann es denn sein, daß in einer sozialis­tischen Gesell­schaft der große Vorsitzende seine Zustimmung geben muß – „Einver­standen! E.H.“ –, damit gute und auch weniger gute Dinge ihren Lauf nehmen können? Wäre dies nicht die kollektive Aufgabe einer ganzen Gesell­schaft? Nun ja, könnte frau oder man sagen, dies setze ein gewisses Maß an Klassen­bewußtsein und theore­tischer Schulung voraus. Beim Durch­lesen des Buches hatte ich jedoch eher den Eindruck, daß es mit dem historischen und dialek­tischen Materialis­mus der an Marx geschulten Kader nicht so weit her gewesen sein kann. In ihrer Politik gegen­über dem Westen schaukelten sie im Wind. Nicht einmal, als Helmut Kohl meinte, Gorbatschow mit Goebbels ver­gleichen zu müssen, schrillten die Alarm­glocken. Zu groß war die Abhängig­keit vom kapitalis­tischen Nachbarn geworden.

Sensibel

Egon Krenz mochte den polnischen General Jaruzelski, den er als sensiblen Menschen charakteri­siert. Das mögen die polnischen Arbeiter­innen und Arbeiter aus gutem Grund anders gesehen haben. Die sensible Knute ist eben immer noch eine Knute. Ja, ich weiß, die Organi­sation der Streik­bewegung lag in den Händen der Solidarność und damit vermeint­lich der Konter­revolution. Dann doch lieber eine Arbeiter­partei, die dem reaktionären Ayatollah Wojtyła aus Rom im Juni 1987 geradezu unter­würfig einen Staats­besuch spendierte, damit dieser das gläubige polnische Volk verführen durfte. Was für eine Logik!

„Für [Honecker] waren die Zeiten vorbei, da wir die Sozial­demokratie noch als politischen Feind definiert hatten. In diesen Fragen war ich voll auf seiner Seite.“  Nun mag dies für die DDR eine gewisse, ja eben auch, Logik besessen haben. Man brauchte Verbündete im Westen, um an moderne Technik, Konsum­güter und Devisen zu gelangen. Man brauchte Verbündete für eine gesamt­deutsche Friedens­bewegung. Doch das eine ist es, Realpolitik zu betreiben, und das andere, sie auch noch ideologisch zu verklären. Schon Rosa Luxemburg hatte den Bolsche­wiki in einer ihrer berühmten und in der DDR nicht so gerne gesehenen Schriften ent­sprechende Vor­haltungen gemacht. Helmut Kohl hatte das Prinzip besser begriffen, als er zu Honecker meinte, das, was er den Medien sage, sei das eine, die Realpolitik das andere. 

Die Linke im Westen kannte ihre Sozial­demokratie jedenfalls nicht als Freund. Sie vergaß nicht die sozial­demokratisch mitor­ganisierte Knüppel­orgie beim Schah­besuch in Berlin 1967, die zum Tod von Benno Ohnesorg führte. Sie wußte, daß Willy Brandt und die SPD hinter den Berufs­verboten standen, die ausge­rechnet und vor allem die Bruder­partei der SED schwer trafen. Sie hatte den Deutschen Herbst erlebt und die Polizei­einsätze in Brokdorf, Grohnde, Kalkar und anderswo, wo sich der Atomstaat breitzu­machen gedachte. Der altbekannte Spruch „Wer hat uns verraten?“ war ja durch die jahrzehnte­lange Praxis dieser Partei längst ausge­lutscht. Da war kein Verrat mehr, sondern Prinzip. Nur die marxistisch-dialektisch geschulten Denker im Arbeiter­innen- und Zirkelstaat konnten eine solche Volte hinlegen und sich mit ihren viel­fältigen Kontakten zur SPD das Gehirn zukleistern lassen. Es ist eben auch hier eine Frage des Klassen­bewußtseins, und das war den Herren im Politbüro wohl abhanden gekommen. Da ist es wenig erstaun­lich, daß so manch alte Kader und Genossen nach 1989 mit fliegenden Fahnen zum Klassen­feind über­gelaufen sind. Sie müssen hierzu in der DDR nicht einmal Karrieristen und Oppor­tunisten gewesen sein. Wenn der Kampf für die gute Sache aussichts­los geworden ist, schleicht sich Resignation ein  und die Über­legung, wie es weiter­gehen soll. Im Gegensatz zur Sowjet­union, wo sich Mitglieder der alten Nomen­klatura rechtzeitig das Volks­eigentum als neureiche Oligarchen angeeignet haben, stand in der DDR die Treuhand im Weg. Den Rahm wollten westliche „Investoren“ dann doch lieber selbst abschöpfen. Insofern ist es wohl­tuend, wenn jemand wie Egon Krenz weiterhin zu „seiner“ DDR steht. Das können die Lieder­macher der Bourgeoisie starrsinnig oder ideologisch weltfremd finden. Und ja, an manchen seiner Ein­lassungen gäbe es noch viel mehr zu kritisieren. Aber lieber so als ein Wendehals.

Das Buch ist eine wahre Fundgrube. Wo die ZK-gefilterte Realität der DDR durchscheint, werden mehr Fragen aufge­worfen, als der Autor je beant­worten kann. Was soll mir, um ein Beispiel zu nehmen, die Bemerkung angesichts der Unfähig­keit zu einer Kurs­korrektur sagen, „keiner von uns wäre nach Sibirien geschickt worden“?  Allein so zu denken, ist doch schon eine Absurdität in sich. Sicher, da gab es eine Vorge­schichte. Die stalinis­tischen Säuberungen wirkten auch in die DDR hinein. Gorbatschow, der sich gerne als demo­kratischer Held von Erneuerung und Trans­parenz inszenierte, aber gegen­über der DDR genauso knallhart war wie seine Vor­gänger, war weit weg. Das Unbewußte bringt die Ver­hältnisse besser zum Vorschein, als einem lieb sein kann. An Sibirien zu denken, heißt auch, das eigene Land mit bestimmten Augen zu betrachten. Ist das dann Sozialismus?

Nun wird im Nachgang zur gescheiterten DDR in den (siegreichen) westlichen Medien und Publikationen gerne nach­getreten. Das können Deutsche besonders gut. Es wird von einer SED-Diktatur gefaselt, ohne zu über­legen, was denn eine Demokratie so ausmacht . Im Mai 1987 trafen sich in dem einen Teil der geteilten Stadt Berlin die Partei- und Staats­chefs der sozialis­tischen Länder zu einem Gipfel, um eine neue gemeinsame Militär­doktrin zu verab­schieden. Nur der Bürger­steig vor dem Hotel war abgesperrt. In den Konferenz­pausen gingen die Staatschefs einfach so im Stadt­zentrum mit seinem üblichen Trubel spazieren. Natürlich gab es im Hintergrund Sicherheits­vorkehrungen; diese aber wurden auch im Hinter­grund gehalten. Berlin (DDR) wollte sich als weltoffene Stadt präsentieren. Wenige Tage später besuchte der US-Schauspiel­präsident Ronald Reagan den Westen der Stadt. Scharf­schützen säumten seinen Weg, ganze Straßen­züge wurden hermetisch abgeriegelt. Eine große Demonstration gegen den Kriegs­treiber lief am Tag zuvor im Polizei­kordon. Die Berliner Bevölke­rung wurde partiell unter Belagerungs­zustand versetzt; nur damit Reagan sich an die Mauer vorwagen konnte, um dort seinen berühmten auswendig gelernten Spruch loszu­lassen, der Osten möge doch endlich die Mauer abreißen. Welcher Teil der Stadt war nun die Demokratie und welcher die Diktatur?

Aus dem hier Geschriebenen und noch manchem mehr geht hervor, warum dies ein Buch ist, das ich mit großem Interesse und Erkenntnis­gewinn gelesen habe. Sollte es jemals in diesem Jahr­hundert einen erneuten sozialis­tischen Aufbruch geben, wären seine Akteurinnen und Akteure gut beraten, hier nachzu­schlagen. Sie könnten aufgrund vieler anschau­licher Beispiele lernen, wie frau und man es besser nicht macht, und weshalb.

Egon Krenz verabschiedet uns mit einem cliffhanger. Es brodelte 1988 nicht nur an der Basis. Ein Sturm näherte sich. Dies wird in einem dritten Band seiner Memoiren nach­zulesen sein.

Ärgerlich sind hingegen die zahlreichen Folgen ungenügender Lektorierung. Wobei ich, ehrlich gesagt, schon Schlimmeres erlebt habe, aber was ist das für ein Anspruch? Dem Buch hätte ein gründ­licheres Korrektur­lesen jedenfalls gut getan. Daß einmal der Weidmann und ein andermal der Waidmann auf die Jagd geht, geschenkt. Ebenso die doppelt verbreiteten Lebens­daten des Generals Michail Saizew auf zwei nachfolgenden Seiten. Die Sätze „Aus das sollten wir nicht vergessen.“ oder „Er war er gut gelaunt.“ erschließen sich zwar, sind aber nicht schön. Daß Nicolae Ceauşescu mit Çedille geschrieben wird, hat sich im Buch nicht überall herum­gesprochen. Olaf statt Olof Palme oder Juruzelski statt Jaruzelski sind schon eher peinlich. Das Januar­plenum der KPdSU zur Perestroika fand nicht 1986, sondern erst 1987 statt, oder? Im selben Jahr 1987 besuchte Erich Honecker seine Heimatstadt Neun­kirchen im Saarland, und nicht Neuen­kirchen, wie dies schon damals die ADN-Meldung verschrieb. Das hätte bei gründ­lichem Nachlesen auffallen können; aber vielleicht muß frau oder wohl eher mann dafür aus dem Westen kommen und die Anfänge der Fußball-Bundesliga kennen … 

Walter Kuhl
22. Januar 2024

Nachträgliche Änderung. Im Taucher­wald bei Bischofs­werda gab es keine Silos, sondern Bunker.

Anmerkungen

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  1. FAZ, Zeit, Süddeutsche, Spiegel etc. – Leider war die DDR-Elite nicht immun gegen deren Ergüsse und ließ sich in ihrem Handeln davon beeinflussen; vgl. Krenz Seite 446.   
  2. Der Vollständig­keit halber sei angefügt, daß Egon Krenz im Mai 1999 in Darmstadt einen Vortrag über die politische Justiz im Westen halten sollte, mit der er konfrontiert war. Statt dessen redete er dann doch eher allgemein über Recht und Unrecht in der ehemaligen DDR, was auch nicht uninteres­sant gewesen ist. Eine gekürzte Aufzeich­nung seines Vortrags habe ich am 31. Mai 1999 in der zwölften Folge meiner Sendereihe „Phantom­verbrechen“ auf Radio Darmstadt zu Gehör gebracht.   
  3. Karl Marx begann sein „Kapital“ mit: „Der Reichtum der Gesell­schaften, in welchen kapitalis­tische Produktions­weise herrscht, erscheint als eine ‚ungeheure Warensammlung‘, die einzelne Ware als seine Elementar­form. Unsere Unter­suchung beginnt daher mit der Analyse der Ware.“ MEW 23, Seite 49.   
  4. Egon Krenz hat in den vergangenen Jahr­zehnten mehrere Bücher zur DDR und ihrer Abwicklung geschrieben, die ich jedoch alle nicht kenne. Insofern ist es für mich ein Erstlings­werk, das ich hier bespreche.   
  5. Krenz Seite 38.   
  6. Krenz Seite 121, hier war Helmut Schmidt gemeint.   
  7. Krenz Seite 438.   
  8. Im Januar 1990 kamen Vertreter der Vereinigten Linken sogar ins schläfrige Tübingen, um uns Naivlingen die DDR und ihre mögliche Zukunft darzulegen. Ich fand das sehr beeindruckend.   
  9. Krenz Seite 248.   
  10. Krenz Seite 380.   
  11. Auch Egon Krenz war nicht frei davon. Er ließ sich von seiner Sekretärin als Lese­zeichen für seinen Termin­kalender den Spruch auf eine Kartei­karte schreiben: „Gib mir die Gelassen­heit, Dinge hinzu­nehmen, die ich nicht ändern kann, gib mir den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und gib mir die Weisheit, das eine vom anderen zu unter­scheiden.“ Seite 348.   
  12. Krenz Seite 317.   
  13. Luciano Canfora : Eine kurze Geschichte der Demokratie [2006]. Ellen Meiksins Wood : Demokratie contra Kapitalismus [2010].   
  14. Fundstellen im Buch: Weidmann bzw. Waidmann Seiten 244 und 442. Saizew 216f. Vergessen 12. Gelaunt 126. Ceauşescu 189. Palme 178. Juruzelski 125. Januar­plenum 365. Neunkirchen 397. – Es ist gut möglich, daß auch in dieser Rezension noch unent­deckte Fehler schlummern.