Koreanische Schrifttafeln.
Reflexionen über die Änderung der Welt
Walter Kuhl
Koreanische Schrifttafeln.
Koreanische Schrifttafeln aus Metall.
Public Viewing in Frankfurt 2006.
Public Viewing in Frankfurt.
Kanone in Edinburgh.
Kanone in Edinburgh.
Denkzeichen Güterbahnhof Darmstadt.
Denkzeichen Güterbahnhof
Darmstadt.
Arc de Triomphe.
Arc de Triomphe in Paris.

Die Fußball-Welt­meister­schaft 2006 in Deutsch­land

Public Viewing

Nachbetrachtungen zu einer großen patrio­tischen Party

Dieser Text wurde im August 2006 geschrieben und im April 2024 ohne inhaltliche Verän­derungen aus einem PDF in eine HTML-Fassung überführt. Links aus der Ursprungs­fassung von 2006 wurden, soweit möglich, angepaßt.

Deutschlands wiedergewonnenes Ansehen ist teuer gekauft

Fußball ist, so legt es der Volksmund dem englischen Profi Gary Lineker gerne in den Mund, ein Spiel mit 22 Teilnehmern, dessen Witz darin bestehe, daß am Ende immer die Deutschen gewinnen . Diese Behauptung entpuppt sich in der Regel schnell als Mythos, doch es ist ein Mythos, der sich hartnäckig hält. Als die junge Bundes­republik noch damit beschäftigt war, das Groß­deutsche Reich und die damit verbundenen Untaten kollektiv durch Nicht-Themati­sierung  zu entsorgen, gelang es einer einge­schworenen Truppe rund um den Workaholic Sepp Herberger , die Fachwelt in Erstaunen zu versetzen und die deutsche Nation mit Sinn zu erfüllen. Daß dieser Sinn gewiß nicht darin bestand, sich zu den eigenen Untaten zu bekennen, sondern darin, sich wieder der Welt­gemein­schaft der Gerechten zugehörig zu fühlen, sei nur nebenbei angemerkt. 

Die Einführung der Bundesliga gab dem deutschen Fußball einen Schub, in dessen Sog sich die für inter­nationale Wettbewerbe qualifizierten Mann­schaften die nötige inter­nationale Erfahrung zulegen konnten. Der Titelgewinn im Europapokal der Pokalsieger 1966 durch Borussia Dortmund und 1967 durch Bayern München korre­spondierte mit der Vize­weltmeister­schaft 1966 in England. Hierbei muß angefügt werden, daß der Pokalsieger-Cup zur damaligen Zeit noch einen anderen Stellenwert besaß als in den 90er Jahren, als die besten Mannschaften Europas nur noch in der Champions League zu finden waren.

Es gewannen nun nicht immer die Deutschen. Gerade Borussia Mönchen­gladbach und später Bayern München mußten dies mehrfach erfahren. Die Überflieger der 70er und der ersten Hälfte der 80er Jahre waren nämlich nicht Ajax Amsterdam oder Bayern München, sondern der FC Liverpool. Der Siegeszug englischer Vereins­mann­schaften endete jäh mit der Katastrophe im Heysel-Stadion 1985.

Die 80er Jahre waren ganz besondere Gurkenjahre des deutschen Fußballs. 1982 spielte sich die Nationalelf bei der Welt­meister­schaft von Skandal zu Skandal, 1986 reichte Minimalisten­fußball aus, um das Endspiel zu erreichen, und selbst der deutsche Fußball des Jahres 1990 war trotz der Tatsache, daß die beste Mannschaft des Turniers auch den Titel gewann, keine Offen­barung. Während jedoch in anderen Ländern in den 90er Jahren eine Entwicklung stattfand, die zum heutigen System­fußball führen sollte, verschlief das aufgrund der Wieder­vereinigung Glück­seligkeit inhalierende Land diese neue Tendenz. Aber – so schien es – wenn englische Mann­schaften gegen deutsche antraten, dann wurde Linekers Bonmot Wirk­lichkeit, insbesondere beim Elfmeter­schießen.

In den mehr als fünfzig Jahren nach dem „Wunder von Bern“ entwickelte sich jedoch nicht nur der Fußball weiter. Sepp Maier spricht beispiels­weise in Bezug auf die Europa­meister-Elf von 1972 von „Schlaf­wagen­fußball“ ; und wer sich die Spiele von damals anschaut, muß zugeben, daß heute ein ganz anderes Tempo gespielt wird. Während deutsche Mann­schaften die 70er Jahre gleich reihenweise unsicher machten und beispiels­weise 1979 drei der vier Halbfinal-Teilnehmer im UEFA-Cup stellten und 1980 gar das Halbfinale unter sich ausmachten, entwickelte auch die deutsche Politik neue Stärke. Die Ostpolitik der kurzen Ära Brandt wurde systematisch fortgeführt und mündete in den sechzehn düsteren Jahren des Aussitzer­königs Helmut Kohl . Doch der konnte seine ganze Erfahrung einsetzen, um die Gelegen­heit, die sich 1989 bot, eiskalt auszunutzen. Mit der gewonnenen neuen nationalen Stärke, auch im inter­nationalen Kontext, ging seine Regierung – im Gleich­schritt mit den neoliberalen Auflagen des IWF und den Verteilungs­kämpfen in den einzelnen Teil­republiken – gleich daran, Jugo­slawien nach allen Regeln der Kunst systema­tisch zu destabilisieren . So forsch, wie die Bundeswehr geradezu selbst­verständlich in immer neuen Auslands­einsätzen trainiert wurde, spielten deutsche Fußball-Mann­schaften zu dieser Zeit jedoch nicht. Berti Vogts' Europa­meister­schaft-Triumph von 1996 ist wohl eher als ein einzig­artiges Mißver­ständnis zu betrachten, auch wenn Borussia Dortmund im Jahr darauf nicht einmal unverdient die Champions League gewann.

Inzwischen wurde das System Kohl durch frischen neuen Wind hinweg­gefegt. Gerhard Schröder und Joschka Fischer entledigten sich zunächst des nicht so richtig neoliberal gewendeten Oskar Lafontaine, um sofort danach das Kohl'sche Lebenswerk – die Zerstörung Jugo­slawiens – zu einem ruhmreichen Ende zu führen. Es mußte schon ein Auschwitz halluziniert und ein Hufeisen­plan erfunden werden, um auch das grüne Fußvolk bei Laune zu halten. Nachdem im Anschluß daran deutsche Soldaten eine Art Besatzungs­regime im Kosovo errichten durften , gab es eigentlich keinen vernünftigen Grund mehr, warum die Bundeswehr nicht auch andere Regionen dieser Erde befrieden, also unsicher machen, durfte. Allein – es fehlte der Anlaß, aber der kam so sicher, wie der globale Imperialismus seine Monster gebiert , am 11. September 2001. Seither gibt es für deutsche Friedens­truppen keine No Go-Area mehr. Der neue Verteidigungs­minister Peter Struck definierte nicht nur passende Verteidigungs­politische Richtlinien , sondern befand ganz selbst­verständlich, daß Deutsch­land in Zukunft am Hindukusch verteidigt werde. Sein Nachfolger Franz-Josef Jung  führte dieses fried­liebende Werk fort und fand dann auch – neben den deutschen Rohstoff­vorkommen im Kongo – den darauf aufbauend passenden Ort, geschichts­bewußt, wie er als Deutscher nun einmal ist, in bzw. um Israel. 

Deutschland ist bereit. Das zähe Ringen um einen ständigen Sitz im UN-Sicher­heitsrat gehört genauso dazu, wie die höheren Weihen des Kardinal Ratzinger, der jetzt den deutschen Papst mimen darf. Was fehlte, war eine gute Image-Kampagne. Da traf es sich gut, daß der DFB mit seinem Frontmann Franz Becken­bauer die Fußball-Welt­meister­schaft 2006 nach Deutsch­land holen konnte. Handelt es sich doch neben den Olympischen Spielen um die prestige­trächtigste Veranstaltung auf diesem Planeten. Und so ging man und frau froh­gesinnt ans Werk, den Deutschen und dem Rest der Welt Scheiße für Gold zu verkaufen. Allein das Motto der Veran­staltung müßte bei jeder und jedem halbwegs nach­denkenden Menschen entweder Lachkrämpfe oder unbändigen Zorn hervor­rufen: Die Welt zu Gast bei Freunden. So als gäbe es das deutsche Abschiebe­regime nicht, dem immer wieder Migrantinnen und Migranten zum Opfer fallen . So als gäbe es keine No Go-Areas, in die sich nicht­deutsch aussehende Menschen besser nicht verlaufen sollten , was insofern bizarr ist, weil es für oliv uniformierte Deutsche derartige No Go-Areas gerade in den Ländern, aus denen Menschen nach Deutsch­land flüchten, nicht gibt.

Plakat.

Bild 1: Plakat von Pro Asyl, gesichtet in Darmstadt.

Nach den Kosten der Fußball-Welt­meister­schaft zu fragen, könnte gedanklich leicht ins falsche Fahr­wasser abdriften. Allenthalben tönt es uns ja entgegen, daß die Kassen leer seien, vorzugs­weise dann, wenn sinnvolle soziale und kulturelle Projekte gefördert werden sollen, oder dann, wenn irgendein Haushalt im Sinne neoliberaler Gesund­beter und zugunsten not­leidender, oftmals euphemistisch „mittel­ständisch“ genannter Firmen saniert werden soll. Natürlich ist Geld da. Die Bundeswehr-Milliarden werden genauso wenig angetastet wie die Steuer­geschenke für die Klientel, welche in Parlamenten und Regierungen vorzugs­weise vertreten wird. Da sich aber Sozial­klimbim betriebs­wirtschaft­lich nicht rechnet, muß er weg. Im Gegenzug werden die Prestige­objekte der deutschen Bourgeoisie ausgiebigst bewässert, was im Falle des public viewing in der sogenannten „Mainarena“ in Frankfurt dann auch sinnlich erfahrbar gemacht wurde.

Was hat die Fußball-Welt­meister­schaft also gekostet? Diese Frage ist insofern von Relevanz, weil klar ist, daß sie weitest­gehend aus Steuer­mitteln finanziert wurde. Die Frage, wer den Nutzen dieser Ausgaben­politik profitabel einstreichen darf, schließt sich zwangs­läufig an. Selbst­verständ­lich gibt es wie in jeder guten transparenten Demokratie keine offen gelegten Zahlen.

Jens Weinreich ist in der Berliner Zeitung dieser Frage nach­gegangen. Er geht von 3,7 Milliarden Euro für aus öffentlichen Kassen gezahlten Infrastruktur-Maßnahmen wie Auto­bahnen und Bundes­straßen aus, worüber sich die Automobil­lobby garantiert gefreut hat. Bei den Gesamt­kosten der Stadion­neubauten bzw. -ausbauten von rund 1,6 Milliarden Euro beträgt der öffentliche Anteil 874 Millionen Euro. Weitere 640 Millionen Euro werden von den WM-Städten aufgebracht. Für die umfassenden Sicher­heitsmaß­nahmen müssen mehrere hundert Millionen Euro veran­schlagt werden. Die Steuer­befreiung für die FIFA und die teil­nehmenden Verbände schlägt mit einer drei­stelligen Euro-Summe zu Buche. Dann gibt es noch verkappte Sub­ventionen, die von halb­staatlichen Firmen als Sponsoring deklariert werden (Deutsche Bahn, Telekom, Oddset, Postbank, EnBW). ARD und ZDF subven­tionieren mit Rundfunk­gebühren in Höhe von 180 Millionen Euro für die Über­tragungs­rechte und noch einmal einer ähnlichen Summe für die technischen Kosten den WM-Betrieb. Alles in allem dürften rund 6,5 Milliarden Euro für einen Monat Spaß und Spiele geflossen sein.  Normaler­weise lassen sich derart gigantische Parties auch kosten­günstiger organisieren.

Kein Wunder, daß rund 15.000 Helferinnen und Helfer benötigt wurden, die durch ihre ehren­amtliche und selbstlose Arbeit den Organi­satoren erst den nötigen Gewinn eingebracht haben. Die Begeisterungs­fähigkeit vieler Menschen wurde exakt kalkuliert und gnadenlos ausgebeutet. Daher soll alleine die FIFA fast zwei Milliarden Euro einge­nommen haben, von der Hotel­branche und den vielen an das Vermarktungs­system ange­schlossenen Firmen einmal ganz zu schweigen.  Und die Sponsoren, die jede Fußball­über­tragung so penetrant begleitet haben, wollen natürlich auch ihre Rendite sehen.

Ein hübsches Beispiel für den wahren Gehalt des sportlichen Events lieferte die Nachrichten­agentur afp am 31. Juli 2006:

„Die Fußball-Welt­meister­schaft hat deutschen Hotels einen Kick gegeben. Obwohl die Zimmer­auslastung im WM-Monat Juni zurückging, machten die Hoteliers mit saftigen Aufschlägen auf die Zimmer­preise ein Plus, wie der Hotel­verband Deutsch­land am Montag mitteilte. Im Schnitt mussten Gäste für ein Zimmer im Juni 113 Euro hinblättern, das waren fast 42 Prozent mehr als noch im Juni 2005. Die Zimmer­auslastung sank im WM-Monat um 2,7 Prozent. Die ausländischen Gäste konnten den Einbruch bei Geschäfts­reisen und Tagungen nicht wettmachen. Die Branche hofft nun, dass sich dieser WM-Schwung nachhaltig in einen dauerhaften Standort­vorteil umsetzen lässt, so Hotel­verbands-Chef Fritz Dreesen.“ 

Tja, die Welt ist halt zu Gast bei Freunden; aber Freund­schaft hört bekanntlich beim Geld­verdienen auf. Das Gewäsch vom Standort­vorteil ist jedoch nicht ernst zu nehmen. Die Gäste, die für ihr Fußball­vergnügen saftige Preise löhnen mußten, kommen bestimmt nicht so schnell wieder.

Während dessen beklagt der Einzel­handel einen – wenn, nur leichten – Zuwachs im Juni-Geschäft. Danach habe, so das Statistische Bundesamt, der Einzelhandel im Juni nominal 0,4 Prozent mehr und real 0,4 Prozent weniger umgesetzt als im Vorjahres­monat. Allerdings stiegen die Umsätze im Vergleich zum Mai 2006 real um 1,9 Prozent.  Das ist ja auch eigentlich logisch: Wenn Millionen vor der Glotze sitzen oder beim public viewing Party feiern, dann bleibt eben weniger Zeit, das Geld dem Einzelhandel zu überlassen. Abgesehen davon: Nach den üblichen Regeln kapitalis­tischer Ökonomie kann Geld, das für Tickets im Vorverkauf oder auf dem Schwarz­markt verwendet wird, nicht noch einmal beim banalen Shopping ausgegeben werden.

Eine Branche mußte jedoch offen den geschäfts­schädigenden Charakter des großen Fußball­festes nüchtern konstatieren. Im Juni 2006 verzeichnete die deutsche Musik­branche einen Geschäfts­rückgang um fast 27 Prozent im Vergleich zum Vorjahres­monat, und diese Tendenz setzte sich im Juli mit einem erneuten Minus von 20 Prozent fort. Und dies trotz der zahlreichen WM-Hits von Xavier Naidoo, Herbert Grönemeyer, den Sport­freunden Stiller und anderen. 

Feiernde.

Bild 2: Das Fanfest in Frankfurt auf dem Bildschirm im Main.

Also, halten wir fest: die Fußball­welt­meister­schaft war ein großes Fest, das alleine zum Zwecke des Geld­verdienens veranstaltet wurde. Daß nebenbei auch Fußball gespielt wurde, hat wenig mit den Motiven der Austragung des Events zu tun, jedoch mehr mit der Erwartungs­haltung des Publikums. Wenn es diesem dann zu langweilig wurde – und das kam häufiger bei den im Umfang aufgeblähten 64 Spielen vor –, dann feierte das Publikum lieber sich selbst und ignorierte das Ball­geschiebe auf dem künstlich in Rollen verlegten Rasen. Und dann ging auch noch die Party ab, was zu einem gewissen Teil dem von den Organisatoren des Events vorsorg­lich einge­richteten public viewing geschuldet war. Gerüchte wie das, daß die FIFA zudem mit Steuer­mitteln das schöne Fußball­wetter eingekauft habe, entbehren hingegen jeglicher Grundlage. Doch das Wetter war für die Verkündung der Werbe­botschaft (der politischen wie der kommer­ziellen) nützlich: lauter fröhliche Menschen genossen die Sonne und fragten nicht danach, warum ihnen eine gigantisch teure Party zur Verfügung gestellt wurde. Der Alkohol floß in Strömen, ganz nach dem Motto „Keine Macht den Drogen“, doch zumindest laut offizieller Bericht­erstattung hielt sich das männliche Gewalt­potential in Grenzen. Ob dies am gigantischen Sicherheits­aufwand lag oder einfach nur daran, weil im über­kandidelt fröhlichen Deutsch­land keine und niemand so recht Trübsal blasen wollte … wer weiß das schon?

Allerdings ist die Frage erlaubt, wieviel Bekloppt­heit man und frau mitbringen muß, um die blöde herum­hampelnden HR3-Moderatoren auf ihrer Bühne in der Mainarena witzig oder zumindest unter­haltsam zu finden. Ganz zu schweigen davon, wieviel Selbst­verarschung eigentlich dazu gehört, sich auf die giveaways der HR3-Bühne zu stürzen, um anschließend mit roten Patsche­händchen winkend dem nervigen Sound zu folgen. Um das Publikum zu diesem Unfug zu motivieren, wurde eine Kamera über ausgewählte Fanblöcke geschwenkt, die, weil sie sich selbst auf der digitalisierten Leinwand mitten im Fluß wieder­erkennen konnten, vor Begeisterung umso mehr klatschten und grölten. Ballermann at home, fleißig eingeübt in unzähligen Konzerten, Fernseh­shows und anderen Lifestyle-Events. Das Leben ist hart; aber daß es so hart und dabei so attraktiv ist, sich selbst auf eine derart fremd­bestimmt durch­gestylte Art zu feiern, das läßt tief in die mentale Verfassung der Bundes­republik Deutsch­land zu Beginn des 21. Jahr­hunderts blicken. Irgendwie scheint das Wort Selbst­achtung ein Fremdwort geworden zu sein.

Wie sehr die Kommerziali­sierung des Ich selbst in betont anti­kommerziellen Kreisen vorange­kommen ist, mag folgendes Beispiel verdeut­lichen. In der anti­faschistischen Zeitung „für Abseits­fallen und gegen Recht­saußen – 100% FIFA-free“ Enough is enough fällt mitten in einer Argumen­tation gegen den „Du bist Deutsch­land“-Nationa­lismus der Satz: „Als Fußballfan freue ich mich sicherlich auf tollen Fußball und spannende Spiele.“  Und im Editorial heißt es noch deutlicher:

„Wir machen diese Schwer­punkt­ausgabe von Enough is enough, weil wir als Anti­faschistInnen bei der WM Ronaldinho zaubern sehen wollen, aber keinen Bock darauf haben, dass die WM zu einem nationalis­tischen Hype und zur Militari­sierung der Spiele und der Gesellschaft genutzt wird.“ 

So, als gehöre das eine nicht mit dem anderen zusammen. Ronaldinho „zaubert“, weil er als Kommerz­produkt den globalen Markt zu bedienen hat. Der „tolle Fußball“ ist ein warenförmig organisiertes Produkt, bei dem wir sogar die Richtlinien vorgesetzt bekommen, was als schöner und guter Fußball zu gelten hat. Ronaldinho zaubert – wie weit von einer rassis­tischen (oder abgemildert: kulturalis­tischen) Zuschreibung ist eine solche Bemerkung entfernt? Und: eine Fußball-Welt­meister­schaft ist nun einmal per definitionem ein nationalis­tisches Ereignis. Welche Freude soll denn da aufkommen? Irgendwie sind derartige „linke“ Lippen­bekenntnisse doch arg undurch­dacht und zeugen davon, daß man und frau dem nationalis­tischen Treiben zwar gerne zuschaut, aber es innerlich auch irgendwie verabscheut. Das erinnert doch sehr an die Äußerung: „Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht naß.“

Vielleicht sollte ich auf den ehemaligen brasilia­nischen Fußballstar Garrincha verweisen, der auf seine Weise dem kommerziellen Treiben um seine Person zu entkommen trachtete. Es ranken sich so manche Legenden über seine Einfältig­keit, Interesse­losigkeit und mangelnde Intelligenz um ihn. Doch, genau betrachtet, spricht hieraus eine andere – eben nicht warenförmige – Denkstruktur. Garrincha, so der uruguayische Schriftsteller Eduardo Galeano, „war der Mann, der am meisten Freude schenkte in der Geschichte des Fußballs.“  Der lustigste Vogel der Fußball­geschichte taugte jedoch vor allem für eines, nämlich für eine Mythisierung des Ballsports. Ohne derart lustige Vögel, welche die Menschen von den Sitzen reißen, würde dem kapitalis­tisch organisierten Sport etwas fehlen: das Menscheln. Galeano resümiert: „Garrincha starb seinen Tod: arm, im Suff und einsam.“  Doch auch diese Bemerkung wird dem besten Fußballer der Welt­meister­schaft von 1962 in Chile nicht gerecht.

Garrincha spielte Fußball zwar auch, um Geld zu verdienen. Doch Geld, so eine der Legenden, war ihm egal, es lag unter dem Obst in der Schale und flog in einzelnen Scheinen im Haus herum. Er benötigte es dennoch für einen Lebensstil, in dem er sich selbst versuchte wieder­zufinden. Aber Fußball spielte er am liebsten dort, wo er mit seinen Kumpels zu Hause war, und die Legenden haben ihre Ursache nicht zuletzt darin, daß er sich der kapitalis­tischen Arbeits­ethik zu verweigern suchte. Das ist natürlich einfältig und zeugt von mangelnder Intelligenz! Er spielte nämlich lieber ohne den Druck des Gewinnen-Müssens und ohne die Treter, die seine Knochen gezielt malträtierten.  Ein Ronaldinho geht jedoch ins Stadion, weil er ein Entertainer ist. Er gibt dem Publikum das, was es sehen will – und kassiert. Das ist nicht verwerflich, macht jedoch deutlich, daß das „Zaubern“ des brasilianischen Magiers ganz und gar nicht edle Motive besitzt. Es ist einfach Mittel zum Zweck.

Entwicklungs­tendenzen des Fußballs

Es wäre zu einfach, den bei der 18. Fußball-Welt­meister­schaft gezeigten Sport als Stagnation oder gar als Rückwärts­entwicklung in die finsteren Zeiten des Catenaccio zu deuten. Die Entwicklung des Fußballs als Sport, als Event und als kommerzielles Unter­nehmen schreitet unbeirrbar voran. Wer dies nicht sieht oder nicht sehen will, begreift nicht, daß es keinen „reinen“ Sport in einem kapitalis­tischen Umfeld geben kann.  Alles, was die Massen anzieht, alles, was sich bei den Massen vermarkten und verwerten läßt, wird unbarm­herzig der Kommerziali­sierung unterworfen. Man und frau kann das bedauern, aber das ist der Lauf der Welt. Fußball ohne sein kommerzielles Umfeld wäre allerdings im Verlauf der letzten einhundert­vierzig Jahre wohl eher eine Rand­sportart geblieben. Und es darf nicht vergessen werden, daß die Einbindung dieses Sports in sein monetäres Milieu auch bestimmte Entwicklungen gefördert hat, die wir heute noch als positiv ansehen. So ist die Revision der Abseits­regel 1925 eine wichtige Folgerung aus einem damals stagnativen Spiel gewesen. Als in den 1960er Jahren Einwechs­lungen möglich wurden, diente dies zwar vorder­gründig der Gerechtig­keit, vor allem dann, wenn es die gegnerischen Teams darauf anlegten, durch üble Fouls eine Mann­schaft zu dezimieren. Andererseits wurde damit auch einer Entwicklung Vorschub geleistet, die wir heute bei drei möglichen Einwechs­lungen vorfinden – erst dadurch wird ein dynamischeres Spiel möglich.

Ob gelbe und rote Karten, Elfmeter­schießen anstelle von Wieder­holungs­spielen oder Losent­scheiden, „passives Abseits“, Sitzplatz­stadien oder gar die Macht der FIFA oder der Medien­konzerne wirklich sinnvoll und im Sinne eines ästhetischen Spiels wirklich effektiv sind, wäre zu diskutieren. Aber die Nase über den Fußball­kommerz zu rümpfen, ist einfach rückwärts­gewandt. Auch der Fußball und sein Milieu sind keine heimelige Insel, die uns vor den Kata­strophen des kapitalis­tisch und warenförmig organisierten Alltags bewahren könnten. Das eine gibt es nicht ohne das andere.

Ließ uns die Europa­meister­schaft 2000 noch die Hoffnung, daß die Zukunft vielleicht doch wieder dem offensiven Fußball gehören könnte – damals zelebriert von Frankreich, Portugal und den Nieder­landen im Gegensatz zum biederen, einfallslosen und tumben Rumpelkick der deutschen und englischen National­mannschaft –, so wurden wir in den folgenden Turnieren wieder auf den Boden der Tatsachen zurück geholt. Das Endspiel von Yokohama im Jahr 2002 zwischen den mit angezogener Handbremse immer noch effektiv spielenden Brasilianern gegen eine Mannschaft, die in der spanischen Presse charakterisiert wurde, sie spiele irgendetwas, aber gewiß keinen Fußball , wies den Weg zur Europa­meister­schaft 2004. Griechen­land gewann nicht etwa den Titel, weil die Mannschaft von Trainer Otto Rehhagel überirdisch spielte, sondern weil sie im richtigen Moment fit genug war, um sich im Konzert des Durch­schnitts durch­zusetzen.

Hier wäre zu bedenken, daß die europäische (aber auch die südameri­kanische) Fußball­saison nicht nur immer ausgedehnter wird; sie wird auch intensiver. Das Experiment mit der Champions League, nach der Vorrunde noch eine Zwischen­runde einzulegen, bevor der Sieger im KO-Modus ermittelt wird, scheiterte ja nicht an mangelnden Zuschauer­massen oder Werbe­einnahmen, sondern schlicht daran, daß auch Fußball­spieler einmal eine Pause zur körperlichen und mentalen Reproduktion der eigenen Kräfte benötigen. Je kürzer die Pausen, desto mehr besteht die Gefahr, daß die Spieler dann, wenn es darauf ankommt, einfach ihre Leistung nicht mehr abrufen können, wie es so unschön heißt. Als zusätzliches Moment kommt hinzu, daß der moderne System­fußball mit Vierer­kette und erhöhter Lauf­bereit­schaft ganz andere Anforderungen an die Spieler stellt, eine Belastung, die nicht beliebig zu steigern ist. Uli Hoeneß und erst recht die Manager der großen Vereins­mannschaften stehen also vor dem Dilemma, sich zwischen dem aufgeklärten Eigen­interesse und dem kurzfristigen Profit entscheiden zu müssen – in gewisser Weise zwischen dem überholten Fordismus und der neoliberalen Betriebs­wirtschafts­logik.

Die Weltmeister­schaft von 2002 war hier ein eindeutiges Warnzeichen. Welt- und Europa­meister Frankreich schied ohne ein einziges geschossenes Tor kläglich in der Vorrunde aus, aber auch die Spanier, Portugiesen und Italiener scheiterten – an Südkorea. Nun können wir ganz sicher davon ausgehen, daß der südkoreanische Fußball auch im Jahr 2002 kein Welt­klasse­niveau besaß. Was diese Mannschaft jedoch auszeichnete, war nicht nur eine enorme Lauf­bereit­schaft und eine gewisse technische Fertigkeit. Entschei­dend war, daß die Spieler einfach nicht „verbraucht“ waren. Als Pointe mag hier festge­halten werden, daß der eine oder andere Schieds­richter den Südkoreanern hilfreich zur Seite stand. Aber gerade Italiens Kicker haben hier keinen Grund zur Klage. Denn erstens sind sie Spezialisten dafür, sich durchzu­mogeln und dabei auch vor versteckten Fouls nicht zurückzu­schrecken, und zweitens war der italienische Sturm schlicht eine kata­strophale Fehl­besetzung, was allerdings mit dem taktischen Konzept von Giovanni Trapattoni zusammen­hängen mag. Jeder Stürmer muß „verhungern“, der in einer Mannschaft mit klarer Defensiv­ausrichtung spielt.

Es mußten erst die Rumpelfüßler aus Deutsch­land kommen, um eine dann schon ausgebrannte süd­koreanische Mannschaft auszuhebeln. Daß die Rumpelfüßler es allerdings überhaupt bis ins Halbfinale schafften, verdankten sie nicht nur Oliver Kahn (und Michael Ballack, das wird gerne übersehen). Die Deutschen hatten es einfach mit dritt- oder gar viert­klassigen Gegnern zu tun – und da konnte sogar Rudi Völlers Truppe mithalten.  Sympto­matisch für das deutsche Spiel jedoch waren zwei Momente, in denen der Turbo angeworfen wurde. Wenn die Mannschaft auch keine wirkliche Klasse besaß, so hatte sie sich in einem Punkt schon auf den Charakter des sich heraus bildenden System­fußballs eingestellt. Wie kaum eine andere Mannschaft war und ist sie in der Lage, eine begrenzte Zeit komplett über ihre Verhältnisse zu powern, nicht zu spielen.

Als erste durften die Ukrainer im Relegations­spiel im November 2001 in Dortmund erfahren, was das heißt, als sie binnen einer Viertel­stunde vom Platz gefegt wurden. Der Auftakt­gegner der Welt­meister­schaft 2002, Saudi-Arabien, gab eine prima Aufbau­hilfe ab und wurde binnen weniger Minuten zerlegt. Allein daraus zog das gesamte Team Kraft und Motivation, auch dann durchzu­halten und zu gewinnen, wenn es einmal nicht so richtig laufen sollte. Irland, Kamerun, Paraguay und die USA waren nicht unbedingt schlechter, aber dem deutschen Nicht­fußball einfach nicht gewachsen. Da mußte erst Brasilien kommen, um die Deutschen, die auf einmal brasilianisch spielten, mit den deutschen Tugenden und einem abgeklärten Ronaldo zu besiegen. 

Zwei Rand­bemerkungen hierzu. Im US-amerika­nischen Motorsport gibt es die Möglich­keit, für einen begrenzten Zeitraum dem Motor zusätzliche Power zukommen zu lassen. Hier wird die kurzzeitige Intensi­vierung des Sports akzeptiert, aber reglementiert. Im Champions League Finale von 2005 zündete der FC Liverpool seinen Booster kurz nach der Halbzeit­pause und gewann dann, welche Ironie!, durch Elfmeter­schießen.

Die Europameister­schaft 2004 brachte etwas ans Tageslicht, was fast schon wieder regelwidrig war. Griechen­land spielte nämlich nicht den defensiv orientierten System­fußball, der sich in den 1990er Jahren heraus­gebildet hat, gegen die Mann­schaften, welche ihn verinner­licht hatten. Otto Rehhagel tat das einzig Vernünftige mit einer Mannschaft, die streng genommen den Anforderungen an eine Europa­meister­schaft nicht gewachsen war.  Manche Trainer bauen sich eine Mannschaft nach ihren Vor­stellungen zusammen und sind damit manchmal auch erfolgreich – Johan Cruijff etwa mit dem FC Barcelona Anfang der 1990er Jahre. Da muß alles zusammen passen: das Umfeld, die Spieler, die Kommuni­kation, die Spiel­intelligenz, der Trainer.  Oder aber ein Trainer findet etwas vor und bastelt sich daraus eine Strategie. Dabei lebt er natürlich auch von den Schwächen der Gegner, die ja nur darauf warten, analysiert zu werden. Die griechische National­mann­schaft verkörpert den zweiten Typus und orientierte sich an der Sturm­schwäche und der defensiven Ausrichtung ihrer Gegner. Manchmal reicht das. Mit etwas mehr Glück hätte das schon 2002 in Yokohama gelingen können, etwa als Oliver Neuvilles Freistoß gerade noch durch die Finger­spitzen des brasilianischen Torwarts an den Pfosten gelenkt werden konnte.

Aber auch 2004 zeigte sich: es war das Ende einer langen Saison und die Spieler waren entsprechend müde. Ronaldinho, der Zauberer, war sehr müde.

Jürgen Klinsmann hat hieraus für die Fußball-Welt­meister­schaft 2006 gelernt. Er verordnete der deutschen Mannschaft ein zeitlich limitiertes Fitness­programm, wohl wissend, daß seine Jungs den wirklich starken Gegnern technisch und spielerisch unterlegen sein würden. Einem Gegner nämlich, der bis zur Erschöpfung berannt wird, fehlt die Frische, um sein eigenes Spiel durch­zuziehen und im geeigneten Moment auf den entscheidenden Spielzug zu warten. Wenn es stimmt, daß der moderne System­fußball von den Fehlern des Gegners lebt, nicht aber von einer eigenen Entwicklung und Dominanz des Spiels, dann kann eine solche Ermattungs­strategie sehr erfolgreich sein. Polen, aber auch Argentinien waren die Opfer dieser Spielweise, während Costa Rica und Schweden eher vom Überfall­kommando besiegt wurden.

Wirklich offensiv hat keine Mannschaft bei dieser Welt­meister­schaft gespielt. Nur da, wo der Gegner es zuließ, wurde eine gewisse Dominanz sichtbar, die sich dann auch in Toren nieder­schlug. Etwa Brasiliens 4:1 gegen aufmüpfige Japaner, die das Sakrileg der Majestäts­beleidigung begangen hatten, als sie das 1:0 heraus­schossen. Oder Argentiniens 6:0 gegen vollkommen überforderte Spieler aus Serbien und Montenegro, ein Ergebnis und eine Spielweise, die Argentinien zum Titel­favoriten werden ließ, was jedoch eine gravierende Fehl­einschätzung war. Ent­scheidend ist nämlich nicht, wie man gegen die Underdogs brilliert, sondern ob und wie man gegen die ganz Großen sein eigenes Spiel entwickeln kann. Hätten diejenigen, die Argentinien zum Favoriten erklärten, das Spiel gegen die Elfen­bein­küste genauer analysiert, dann hätten sie sehen müssen, wo die Schwächen der Mannschaft lagen. Die deutsche Nationalelf hat sie dann bloßgelegt, allerdings mit gütiger Hilfe von Trainer José Pekerman, der viel zu früh seine offensivsten Spieler vom Platz nahm. Man muß italienischer National­trainer sein, um sich so etwas erlauben zu können.

Also, was bleibt? Mannschaften, die nie und nimmer in dieses Turnier gehört hätten, wie Serbien/Mon­tenegro, die Ukraine, Costa Rica, Iran, Südkorea und Japan, Saudi-Arabien, Tunesien, die USA, vielleicht Togo, obwohl im Falle Togos andere Faktoren eine Rolle spielten. Aber die Exoten werden ja aus FIFA-internen Proporz­gründen und angesichts weltweiter Fernseh­rechte benötigt, damit die Kassen der FIFA, der beteiligten National­verbände und die des Gastgebers so richtig klingeln können. Vergessen wir nicht die Sponsoren, die natürlich für ihr Sponsoring eine angemessene Rendite erwarten, und die Fernseh­sender, die schließlich in erster Linie den Aktionären und erst nachrangig dem schau­lustigen Publikum verpflichtet sind. Bemerkens­wert ist hierbei der deutsche Weg, die Kosten der Fußball-WM mittels einer Quer­subventio­nierung über die Rundfunk­gebühren für ARD und ZDF wieder einzuspielen.

Allerdings hätte man und frau ähnliches, also nicht WM-reif zu sein, auch von Angola, Australien oder gar Trinidad und Tobago sagen können. Im voraus ist eben nicht klar, welche Teams eine positive Eigen­dynamik entwickeln. Südkoreas Durchmarsch ins Halbfinale 2002 mag ein exotischer Sonderfall gewesen sein, aber bemerkens­wert ist schon, daß die Mannschaft der kleinen Insel vor der Küste Venezuelas zum besonderen Liebling werden konnte, nur weil sie tapfer und eine Halbzeit in Unterzahl drückend überlegenen Schweden ein torloses Unent­schieden abgetrotzt hatte. Noch bemerkens­werter ist allerdings, daß eine im Grunde von rassistischen Dünkeln nicht freie Nation die Mannschaft Ghanas anfeuerte, was die Spieler auf dem Platz in ungläubiges Staunen versetzt hat. Damit das nicht allzusehr auffiel, verfiel die deutsche Anfeuerungs­nation in den Sprechgesang: „Steht auf, wenn ihr Ghana seid!“

Manchmal war die Welt tatsächlich zu Gast bei Freunden. Das verschlafene Kaisers­lautern profitierte von den fröhlichen australischen Fans, die ihre Kängurus gleich ins Stadtbild mitbrachten und die es wohl nicht glauben wollten, daß ihre Mannschaft Fußball­geschichte schrieb. Doch die Pfeif­konzerte in den deutschen Spielen gegen Argentinien oder Portugal zeigten dann doch wieder den deutschen Normalfall; und sympto­matisch war, daß das Pfeifen auch beim Abspielen der National­hymnen nicht aussetzte. Und hierbei war ganz sicher nicht ein aufgeklärter Inter­nationalismus, dem jede nationale Attitüde fremd ist, der ausschlag­gebende Grund.

Die Klagen über die langweilig agierenden und überhaupt nicht offensiven Holländer oder über den Bürokraten­fußball Brasiliens ohne jeden exotischen Ballzauber verkennen, daß die fußbal­lerische Entwicklung diese positiven Tugenden derzeit nicht zuläßt. So wenig, wie der Kapita­lismus das Geld­ausgeben als Zweck an sich begreift, so wenig gibt es einen Grund, mehr in ein Spiel zu investieren als unbedingt erforderlich. Was im konkreten Fall erforderlich ist, erweist sich auf dem Platz. Argentinien pokerte hier im Viertelfinale falsch und flog aus dem Turnier. Brasilien wirkte gegen Ghana überheblich, hatte jedoch seine pummeligen Geheim­waffen und den Schieds­richter bei der Anerkennung des Abseitstores zum 2:0 auf seiner Seite. Frankreich zockte fast richtig, als sich das Team darauf verließ, es sei besser, sich im Verlauf des Turniers zu steigern, als umgekehrt. In der Tat wirkten nicht nur die Italiener im Halbfinale und Finale ziemlich platt, sondern auch die deutsche Mann­schaft kurz vor dem entscheidenden Tor durch Fabio Grosso.

Worauf läuft meine Argumentation hinaus? Dem auf großen Turnieren gespielten Fußball fehlt deshalb weitgehend jede Ästhetik, weil am Ende einer langen und kräfte­zehrenden Saison spielerische Glücks­momente nur dann noch gezeigt werden können, wenn genügend Luft, genügend Kraft und ein klarer Ergebnis­stand das zulassen. Wenn zunächst einmal die Null stehen muß, dann vermeidet jedes Team den entscheidenden Fehler. Um die Fehler zu erzwingen, sind entweder permanentes Pressing möglichst schon in des Gegners Hälfte vonnöten oder permanentes Anrennen in der Hoffnung, daß sich irgendwann einmal zufällig eine Lücke auftut. Das Problem ist dann, aus dieser Lücke auch etwas zu machen. In dieser Hinsicht zeigten die Fußballer bei der Welt­meister­schaft 2006 teilweise haar­sträubende Stockfehler. Diese sind jedoch nicht Ausweis fehlender spielerischer Klasse, sondern einer Spielweise geschuldet, die das individuelle Moment syste­matisch und eigentlich auch per definitionem vernach­lässigt. War für Berti Vogts schon 1996 beim Gewinn der Europa­meister­schaft das Team der Star, so gilt dies heute erst recht. Nur wenn alle Teile des Systems zusammen­wirken, ist der Erfolg möglich. Individua­listen fallen dann nur noch durch „unbe­herrschtes“ Foulspiel auf.

Überhaupt – die Fouls. Auch wenn die Schieds­richter nach Maßgabe der FIFA fleißig im Verteilen gelber und roter Karten waren, so hielten sich doch die sichtbaren brutalen Fouls in Grenzen. Eher war eine gewisse Hinter­hältigkeit zu beobachten. Es wurde getreten wie immer, nur anders. Das Treten wird perfektioniert und – daran habe ich keinen Zweifel – auch systema­tischer einstudiert. Die Art und Weise, wie Spieler gezielt mit beiden Füßen angesprungen werden, wie „rein zufällig“ auf den Schuh getreten wird oder wie gezielt durch ein Zucken des Fußes die gegnerische Wade getroffen wird, läßt gar keinen anderen Schluß zu. Die beliebten Ellenbogen­checks wurden zwar auch gesehen, waren der FIFA aber wohl zu offensicht­lich. Schließlich soll ja nicht nur die Welt zu Gast bei Freunden sein, sondern überhaupt soll der Fußball als ein weitgehend gewaltfreier Sport präsentiert werden, der familien­tauglich ist und deshalb auch im Vorabend­programm gezeigt werden kann. Aus eben diesem Grund hat sich Zinédine Zidane  dann auch für seinen Kopfstoß gegen Marco Materazzi im Finale entschuldigt, wohlgemerkt nur „bei den Kindern, die das gesehen haben.“

Bedauern hingegen wollte er seine Handlung nicht.  Schließlich hatte Materazzi die Ehre seiner Schwester oder seiner Mutter (so genau wissen wir das nicht ) durch beleidigende Äußerungen verletzt. Und wo ein Mann sich in seiner Ehre verletzt sieht, da sieht er rot . Zum Glück hatte er keine andere Waffe als seinen Kopf zur Verfügung; in den rauhen Tagen des unorgani­sierten englischen Fußballs des 16. oder 17. Jahr­hunderts beispiels­weise hätten sich Mittel und Wege gefunden, den Übeltäter ganz elegant aus dem Weg zu räumen:

„Zwar bemerkte Samuel Rowlands im Jahr 1600 giftig, die unteren Klassen seien einzig dann überlegen, wenn man eine Sache beim Fußball per Schienbein­schlagen austrage […], doch die Männer aus vornehmeren Kreisen wussten genauso Wege und Mittel, sich beim Spiel durch­zusetzen. Sie brachten zum Fußball-Duell nicht nur, wie das früher oft üblich war, ihre Messer mit, sondern sogar die neuerdings gebräuch­lichen Schuss­waffen. 1601 eröffneten die Gegner, als bei einem Match in Lochton (Berwirkshire) ein Streit ausge­brochen war, mit Pistolen und Arkebusen das Feuer aufeinander. So etwas war kein Einzelfall.“ 

Die Entschuldigung hingegen von Luis Figo für seinen Kopfstoß gegen Mark van Bommel im Achtel­final-Spiel gegen die Nieder­lande steht noch aus, aber womöglich verweigert sich der portugie­sische Ausnahme­fußballer der von der FIFA gewünschten familiären Event­ästhetik. Abgesehen davon war dieses Spiel mit seinen vier Platz­verweisen und acht gelben Karten einer mittel­alterlichen Rauferei durchaus würdig. 

Was wird uns demnach die Zukunft bringen? Seien wir realistisch. Spielerische Elemente wie bei Brasiliens Triumphen 1958 oder 1970 (aber auch beim frühzeitigen Ausscheiden 1982), bei Deutsch­lands Traum­fußball vor und während der Europa­meister­schaft 1972, oder auch beim holländischen „totalen Fußball“ von 1974 werden wir in Zukunft nur löffelweise erleben. Der abgezockte Fußball von heute wird in seiner Systematik erstarren. Es wird zwar intensiv gepowert, aber dadurch werden fußball­ästhetische Momente auch verun­möglicht. Das liegt in der Natur der Sache. Und dennoch, so wage ich zu behaupten, ist ein anderer Fußball möglich. Dieser andere Fußball besitzt jedoch seine Unwägbar­keiten: gelockerte Abwehr, erhöhter Aufwand beim Erreichen des gegnerischen Strafraums. Dennoch ist es ja möglich, eine Vierer-Abwehr­kette gezielt auszuhebeln; und genau hier müßte ein Trainer ansetzen, der mit offensivem Fußball erfolgreich sein will. Jürgen Klinsmann und Joachim Löw haben dieses Mittel gewählt, weil und obwohl ihre Spieler diese spielerische Klasse nicht besitzen. Was geschähe aber, wenn ein Trainer den Mut aufbrächte, mit Klasse­spielern genau diesen Weg zu beschreiten? Es wäre eine Revolution! Allerdings sind Revolutionen im Kapita­lismus nur dann vorgesehen, wenn sie dem Geschäfts­zweck dienen, also: den Profit erhöhen. Solange es erfolg­versprechender ist, die Räume dicht zu machen und auf den Fehler des Gegners zu warten, solange wird sich nichts zum Besseren wenden. Im Moment paralysieren die Abwehr­reihen die Angriffs­bemühungen. Und deshalb hat immer wieder ein Außen­seiterteam die Chance, in einem Turnier ganz weit zu kommen. Schauen wir also, was uns die Europa­meister­schaft 2008 in der Schweiz und Österreich in dieser Hinsicht zu bringen vermag.

Ein neues fußballerisches Paradigma wird es wohl erst dann geben, wenn sich auch die gesell­schaftlichen, die sozialen Verhältnisse wieder öffnen und sich an den Grundsätzen emanzipa­torisch-solidarischen Handelns orientieren. Also im Post-Neo­liberalismus, wie immer das aussehen mag.

Das Abschneiden der afrikanischen Teams

Alle vier Jahre freuen wir uns auf schönen afrikanischen Fußball. Dabei ist auch an den afrikanischen Teams der Trend der Zeit nicht vorbei­gegangen. Anstatt tänzelnd und ball­gewandt unsere exotischen Erwartungen zu erfüllen, spielen inzwischen auch die Kicker im südlichen Nachbar­kontinent einen dem Mainstream sehr ähnlichen Sicherheits­fußball mit Vierer­kette und ähnlich unange­nehmen Defensiv­attributen. Allenfalls an der Perfektion mangelt es noch ein wenig – und das betrifft sowohl die Verteidigungs­künste wie auch die Treff­sicherheit vor dem gegnerischen Tor.

Doch wenn wir die Welt­meister­schaften seit 1982 genauer betrachten, dann werden wir fest­stellen, daß ab 1986 schon immer nur eine einzige afrikanische Mannschaft die Vorrunde überstanden hat.  Insofern birgt das Weiter­kommen allein Ghanas keine Über­raschung in sich, obwohl es durchaus anders hätte kommen können. Doch vergessen wir nicht, daß schon 1982 der deutsch-österreichische Kolonial­pakt dafür gesorgt hat, daß die Mannschaft Algeriens auf der Strecke geblieben ist. Exoten werden gerne gesehen, solange sie das globale Geschäft mit dem Ball nicht stören. Klar, die Auslosung für die Vorrunden­gruppe C war – zumindest wollen wir das hoffen! – kein Coup, der dafür Sorge tragen sollte, daß das stärkste Team Afrikas chancenlos blieb. In eine Gruppe mit zwei erklärten Favoriten wie den Nieder­landen und Argentinien gelost zu werden, zu der dann die völlig überschätzte Mannschaft Serbien-Monte­negros hinzugefügt wurde, ist eine echte Heraus­forderung. Höchst­wahrschein­lich hätte sich das Team von der Elfenbein­küste in jeder anderen Gruppe locker durchgesetzt, etwa in der Langweiler­gruppe mit Spanien, der Ukraine, Tunesien und Saudi-Arabien.

Doch sie mußten Lehrgeld zahlen. In jedem Spiel dieser Gruppe kassierten sie zunächst einmal zwei Tore, bevor sie so richtig wach wurden. Aber dann! Gegen Argentinien spielte die Mannschaft in der zweiten Halbzeit gleichwertig, gegen die Nieder­lande sogar überlegen, und erst gegen Serbien-Monte­negro reichte der Angriffs­schwung dann auch zu den notwendigen Toren. Man und frau mag das bedauern. Aber die Ursachen liegen nicht darin, daß Afrikas Kicker zu verspielt seien oder in ihrem Abwehr­verhalten einfach zu naiv. Das ist ideologischer Unsinn auf der Grundlage folkloris­tischer Kolonial­attitüde. Wer die Spiele der Afrika-Meister­schaft Anfang des Jahres ein wenig verfolgt hat, wird den wahr­scheinlich zutreffenderen Hintergrund gesehen haben. Afrikas Mann­schaften haben einfach keine ernsthaften Gegner, an denen sie sich schulen und von denen sie das lernen können, was so schön „inter­nationale Erfahrung“ heißt.

Mag ja sein, daß einzelne Kicker ihre Brötchen längst in den europäischen Ligen verdienen. Aber nur wenige haben die Chance, regelmäßig in Spielen der Champions League die Luft schnuppern zu können, welche im europäischen Fußball vorherrscht. Wenn wir dann noch bedenken, daß das Halbfinale der Welt­meister­schaft eine reine Europa­meister­schaft war, dann ist klar, daß derzeit in Europa die Richtung des modernen Fußballs vorgegeben wird. Hätten afrikanische Mann­schaften die Gelegen­heit, in der Champions League mitzu­spielen, oder würden nicht immer wieder andere afrikanische Mann­schaften zum Welt­turnier entsandt, dann gäbe es die nötige Konstanz und Erfahrung, um im Konzert der ganz Großen mithalten zu können. Wenn jedoch Mann­schaften aus Dritt­welt­ländern mit Spielern bestückt sind, die entweder bei gar keinem oder einem europäischen dritt-, viert- oder gar fünftklassigen Klub beschäftigt sind, dann ist mangelnde Erfahrung und Spielpraxis kein Wunder.

Eher müssen wir uns darüber wundern, daß solche Mann­schaften so manch ausgebuffte Teams in so ernsthafte Verlegen­heit bringen konnten. Angola verlor nur knapp gegen Portugal, spielte Unent­schieden gegen Mexiko und den Iran. Und – um einen anderen Kontinent zu nehmen – die Nobodys aus Trinidad und Tobago raubten Schwedens Stürmern den letzten Nerv und hielten gegen Englands Superstars über achtzig Minuten ein torloses Unent­schieden, bis eine Regel­widrigkeit von Peter Crouch, der seinen Gegen­spieler einfach an den Haaren herunterzog, die Partie entschied. Schade, daß solche Dumpf­backen von der britischen Insel erst im Viertelfinale und dann auch erst im Elfmeter­schießen von Portugal gestoppt werden konnten.

Angola und Togo waren daher zwar nett anzusehen kickende Teams, aber ohne ausreichende Erfahrung, um für mehr als Achtungs­erfolge sorgen zu können. Im Falle Togos kam noch das Desaster verbands­interner Korruption dazu. Tunesien ist zwar Dauergast bei Welt­meister­schaften, aber noch nie wirklich erfolgreich gewesen; bei bislang vier Teilnahmen sprangen ein Sieg, vier Unent­schieden und sieben Nieder­lagen heraus. Man und frau kann das positiv sehen, daß Tunesiens Bilanz insgesamt so schlecht nicht sei, aber festzu­halten ist doch, daß im Durch­schnitt zwei Niederlagen pro Turnier zu Buche stehen – und das ist das sichere Vorrunden­aus. Bleiben die Neulinge Ghana und Elfenbein­küste, die sich im Rahmen ihrer Möglich­keiten gut geschlagen und dabei einen starken Eindruck hinterlassen haben. Viel mehr war nicht drin. Allenfalls könnte bemängelt werden, daß Ghana zu naiv war, um zu erkennen, daß Brasiliens Bürokraten­fußball nicht etwa einer strategischen Maxime folgte, sondern Ausdruck einer Orientierung an Stars war, die jedoch kaum noch in der Lage waren, beim modernen Power­fußball mitzuhalten. Erst Zinédine Zidane und seine zum Teil auch schon in die Jahre gekommenen Mitstreiter zeigten dem Rekord­welt­meister seine Grenzen auf.

Fraglich ist, ob dieser Trend, daß nur eine afrikanische Mannschaft die Vorrunde übersteht, bei der nächsten Welt­meister­schaft, die in Südafrika stattfinden soll, verändert werden kann. Sicherlich werden die afrikanischen Fans auch andere als das National­team Südafrikas unterstützen. Doch die strukturelle Misere wird bis dahin nicht behoben sein, weshalb die Einschätzung Winfried Schäfers , in Südafrika könnten durchaus zwei afrikanische Mann­schaften das Halbfinale erreichen, illusorisch ist. Zudem ist kaum zu erwarten, daß afrikanische Durchschnitts­verdiener, von den noch schlechter bezahlten Verdiener­innen einmal ganz zu schweigen, auch nur ansatzweise das Geld haben, um die zum Teil horrenden Eintritts­preise zu löhnen, erst recht nicht die auf dem Schwarz­markt. Und den wird es ja 2010 in aller Perfektion wieder geben.

Das schönste Tor der WM

Die Frage nach dem schönsten Tor des gesamten Turniers läßt sich gar nicht so einfach beantworten. Nach welchem Kriterium ist es zu bemessen? Sind herrliche Weitschüsse mit feinen Einzel­leistungen oder schwung­vollen Kombinationen vergleichbar? Müssen wir nicht berück­sichtigen, daß sich bestimmte Spielzüge aus den gegebenen taktischen Sachzwängen heraus fast zwangsläufig ergeben? Worin bemißt sich also die Schönheit – in der perfekten Demonstration eingeübter Spielzüge oder im individuellen Fehler­ausnutzen der gegnerischen Abwehr?

In den ersten Tagen der Fußball-Welt­meister­schaft wurde zurecht darauf hingewiesen, daß viele Tore – geradezu unverhältnis­mäßig viele Tore  – aus Weit­schüssen resultierten. Schon das erste Tor des Turniers durch Philipp Lahm in der 6. Minute des Eröffnungs­spiels gegen Costa Rica entsprang einem solchen Weitschuß, wobei die Frage offen bleiben muß, ab wieviel Metern Torent­fernung noch von einem Weitschuß gesprochen werden kann.

Das Grundproblem der strategischen Mannschafts­aufstellungen zeigte sich nicht nur darin, daß alle Teams in etwa denselben Fußball spielten: druckvoll, dynamisch, aber dessen ungeachtet nicht unbedingt offensiv. Wer hierin einen Widerspruch sieht, hätte sich beispiels­weise im Halb­finalspiel zwischen Frankreich und Portugal einerseits über eine Art gepflegten Power­fußball wundern können, der jedoch auf der anderen Seite alles andere als effektiv vorgetragen wurde. Eroberte ein Spieler Portugals den von einem Franzosen nach vorne gepaßten Ball, so hatte er nichts besseres damit zu tun, als ihn seinerseits nach vorne zu spielen, wo er mit hoher Wahrschein­lichkeit von einem französischen Bein aufgehalten wurde. Dieses im Grunde wenig ansehliche Mittelfeld­geplänkel war zwar schnell und druckvoll, aber wenig erfolgreich und schon gar nicht offensiv. Vor einem solch offensiven Spiel bewahrten uns die Abwehr­reihen, die gerade einmal den zweit­geringsten Tordurch­schnitt aller bisherigen Fußball-Welt­meister­schaften zuließen. Wenn Tore als Erfolgs­kriterium für offensiven Fußball gelten, dann war es eine sehr defensive Welt­meister­schaft, die nur noch vom behäbigen Defensiv­fußball des Jahres 1990 übertroffen wurde. Daran ändern auch die Sternstunden der ersten Halbzeit des Spiels Holland gegen Serbien/Monte­negro, das 6:0 Argentiniens gegen denselben Gegner oder die Spiele der Kicker aus der Elfenbein­küste nichts.

Im Grunde genommen gibt es gegen diese Art Defensiv­fußball nur zwei oder drei erfolg­versprechende Taktiken. Diese sind umso erfolg­versprechender, je mehr die gegnerische Mannschaft müde gerannt wurde. Diese nicht nur körperliche, sondern daraus resultierend auch mentale Müdigkeit führt zu vermehrter Unacht­samkeit und vor allem zu einer verringerten Denk­geschwindig­keit. Die Situation wird in ihrer Komplexität nicht mehr in Echtzeit erfaßt, so daß alle Reaktionen zu spät kommen, ja im schlimmsten Fall sich sogar als kontra­produktiv erweisen, weil sie auf etwas reagieren, was schon nicht mehr stattfindet, was wiederum eine gänzlich neue und andere Reaktion erfordern würde.

Methode Nummer Eins besteht in konsequentem Flügelspiel, das bis zur Grundlinie durch­gezogen wird, um die Vierer­abwehr­kette mit ihrem Spiel auf Abseits auszuhebeln. Hierzu wird jedoch ein mitdenkender schneller und durch­setzungs­fähiger Mittelstürmer benötigt, der entweder kopfball­stark ist oder auch aus flach herein­gespielten Bällen etwas machen kann. Hier zeigte die Welt­meister­schaft auch die Kehrseite des defensiven Spiels. Eine Mannschaft, der es gelingt, die Räume eng zu machen, ist noch lange nicht in der Lage, genaue Anspiele mitten in den Strafraum zu produzieren. Daher kam es auch zu relativ wenig Toren aus derartigen Situationen heraus. Zu einem erfolgreichen Torschützen gehören nämlich zwei: einer, der den Ball sauber hineinbringt, und einer, der dieses Hereinspiel antizipiert und dabei auch die möglichen Fehler beim Anspiel mit berücksichtigt. Methode Nummer Eins führte daher logisch zu vielen Mißver­ständnissen und ziemlich planlosen Hereingaben. Dennoch fielen hieraus wichtige Tore, die sich jedoch vor allem aus der Ermattungs­strategie erklären lassen, so etwa das 1.0 für Deutsch­land gegen Polen in der Nach­spielzeit, worauf eine ganze Nation vollkommen verrückt spielte.

Methode Nummer Zwei ist im Grunde genommen noch schwieriger. Sie erfordert entweder einen Spieler wie Thierry Henry, der sich durch ein kompaktes Abwehr­bollwerk hindurch spielen kann, oder Kombinations­fußball vom Feinsten, bei dem im Doppelpaß oder mit mehreren Spielern auf engstem Raum die Abwehr schwindelig gespielt wird. Manchmal sind auch spielerische Momente aus dem Augenblick heraus erfolgreich, etwa, als Michael Ballack Miroslav Klose durch einen Lupfer über die Abwehr Ecuadors anspielte und dieser gewandt genug war, den Ball gegen einen ecuadoria­nischen Abwehrspieler abzuschirmen, ihn sodann um den Torwart herum­zuspielen und dann das leere Tor zu treffen.

Es ist nämlich gar nicht so selbst­verständlich, so ein leeres Tor zu treffen. Wenn ich nach der Welt­meister­schaft 2002 in Japan und Südkorea den Italiener Christian Vieri zum Kunst­schützen des Turniers ernannte und spottete, er würde aus vier Metern Entfernung zehn Meter über das Tor schießen , dann drückt sich hierin nicht einfach nur Unfähig­keit aus. Den Ball genau zu treffen und dabei den Schwerpunkt des Spielgeräts mit einzukal­kulieren, stellt so manchen Stürmer vor eine schwierige, fast unlösbare Aufgabe. Ich weiß ja nicht, ob in den Trainings­einheiten der Proficlubs auch Ballistik zum Lehrstoff gehört. Es wäre jedoch anzuraten.

Schon im Vorfeld des Turniers wurde der Ball, der „Teamgeist“, mißtrauisch beäugt. Dadurch daß er nicht nur rund, sondern auch ungewöhnlich glatt ist, hat er andere ballistische und damit flug­technische Eigen­schaften als die zuvor verwendeten Spielgeräte. Dies hat eindeutige Konsequenzen für das Spiel und die am Spiel Beteiligten. Ein Ball, der mehr Reibungs­widerstand erzeugt, weil seine Nähte den Flug stabilisieren, ist leichter zu berechnen und auszu­rechnen als einer, der durch „verschlechterte%ldquo; Flug­eigen­schaften eher abdriftet. Ein Schütze, der dieses mit einkalkuliert, kann einen Torwart, der sich mit den merkwürdigen Flugbahnen des „Teamgeistes“ noch nicht auseinander gesetzt hat, eher überlisten. 

Manchmal frage ich mich, warum diese Erkenntnis nicht wissen­schaftlich untersucht und für das Spiel nutzbar gemacht wird. Wenn ich weiß, daß der Ball, mit einer bestimmten Geschwindig­keit aus einer bestimmten Entfernung geschossen, bei definiertem Seitenwind so und so viele Meter abdriftet, dann kann ich doch im Moment des Schusses ein Ziel bestimmen, in dessen Richtung ich zwar schieße, das ich aber nicht treffen werde, weil der Ball ja nach rechts oder links, oben (eher weniger) oder unten abdriftet. So kann es nützlich sein, auf den Torwart in der Mitte seines Tor zu schießen, in der Erwartung, daß der Ball dann doch nach rechts oder links in die Maschen fliegt. Nützlich ist es jedoch keinesfalls, nur psycholo­gisch ver­ständlich, aus kürzester Entfernung farblich auffällige Dinge anzu­visieren und dorthin zu schießen, weil es sich meist um das Trikot des Torwarts handelt. Auffällig ist nämlich eine nicht unerhebliche Anzahl von Torschüssen, bei denen sich die Beobachterin oder der Beobachter schon fragen muß, warum bei einem riesigen Kasten ausgerechnet das einzige Hindernis, nämlich der Torwart, angeschossen wird.

Aus diesen Überlegungen resultiert folgerichtig Methode Nummer Drei: der Weitschuß. Bei der Enge des Raums in der Nähe des Strafraums bleibt der angreifenden Mannschaft meist gar nichts anderes mehr übrig, als aus schierer Verzweiflung aufs Tor zu schießen. Die vielen Weitschüsse sind daher nicht der veränderten Ballistik des Spielgeräts geschuldet, sondern der Unmög­lichkeit (und: Unfähig­keit der angreifenden Mannschaft), eine Lücke in der Abwehr des Gegners zu finden. Dann wird halt drauf­gehalten. Michael Ballack hat sich mit dieser Methode im Verlauf des Turniers ausgiebig beschäftigt, ohne jedoch nützliche Schlüsse daraus zu ziehen, mit wieviel Wucht er den Ball an welchem Punkt treffen muß, damit sich der Ball auch als teamgeist­tauglich erweist und ins Tor fliegt. Michael Ballack hat also deshalb nicht getroffen, weil er seine Haus­aufgaben nicht gemacht hatte. Das ist eine einfache Wahrheit, die vermeidet, unnötig Mitleid mit diesem Kunst­schützen zu haben.

Und damit komme ich endlich auf die Frage nach dem schönsten Tor dieser 18. Fußball-Welt­meister­schaft zurück. Ich stelle drei Tore aus sehr verschie­denen Gründen zur Auswahl, weil ein Knaller, wie ihn Ronaldinho beim Turnier 2002 gegen England losließ, nicht zu sehen war.

Das erste schönste Tor schoß Joe Cole zum 1:0 im Vorrunden­spiel gegen Schweden. Es handelte sich zwar auch – nur! – um einen Weitschuß, zudem um einen Freistoß. Manche Tore aus Freistößen mögen zwar ästhetisch gelungen sein, wie etwa das schon erwähnte Tor von Ronaldinho 2002, aber sie haben einen gravierenden Nachteil: der Kunst­schütze hat alle Zeit der Welt, um aus einer ruhigen Position heraus unbedrängt abzuziehen. Es fehlt jedoch das Moment des Spiels selbst, das eine andere Form von Spiel­intelligenz voraussetzt. Soll heißen: ein Spieler, der seine Tore vorzugs­weise aus dem Spiel heraus erzielt, muß keineswegs ein Kunstschütze sein. Das erklärt vielleicht auch so manchen mißlungenen Elfmeter, was insbesondere im finalen Showdown mißlich sein kann.

Der schöne Moment in diesem Torschuß bestand darin, daß Joe Cole den Ball nicht einfach aufs Tor hämmerte. Er hätte es dann gewiß verfehlt oder der Ball wäre an irgendeinem Abwehr­spieler hängen geblieben. Joe Cole hingegen schickte den Ball mit einer Bogenlampe auf die Reise, deren Flugbahn so sorgfältig berechnet zu sein schien, daß er gerade noch rechtzeitig vor der Querlatte wieder herunterfiel und den armen schwedischen Torwart ziemlich dumm aussehen ließ.

Das zweite schöne Tor war der Elfmeter von Zinédine Zidane im Endspiel gegen Italien. Wir können darüber streiten, ob der Elfmeter berechtigt war oder nicht. Wahr­scheinlich war er es nicht. Zwar soll Marco Materazzi den Franzosen Florent Malouda berührt haben, aber das läßt sich selbst in der Zeitlupe nicht wirklich beweisen. Ob Zidane mit Absicht versucht hat, ein Kunstwerk zum Abschied vom Profisport zu hinter­lassen, bezweifle ich. Eigentlich wollte er den Ball nur im rechten oberen Eck unterbringen, wo ihn Italiens Torhüter Buffon garantiert nie erreicht haben würde. Doch auch ein Zidane macht Fehler – nicht nur beim Kopfstoß gegen, ja ausgerechnet gegen Materazzi – und trifft so den Ball nicht genau genug. Der knallt gegen die Latte, doch im Gegensatz zum Fehlschuß von Trezeguet im finalen Elfmeter­schießen, der Italien den Titel einbrachte, war der Ball so freundlich, sich mit gehörigem Drall ins Tor hinein zu bewegen, dort deutlich sichtbar hinter der Torlinie den Boden zu berühren, wieder hoch zu fliegen und das Tor zu verlassen. Im Grunde genommen ein Kunstschuß, der keiner sein sollte, aber dennoch schön anzusehen war.

Tor im Halbfinale.
Bild 3: Tor für Italien im Halbfinale.

Das dritte schöne Tor hingegen erfolgte aus dem Spiel heraus, auch wenn dem Ereignis ein Eckball vorausging. Hier zeigt es sich, wie wichtig das Zusammen­spiel zweier Spieler sein kann, die eine Abwehr durch die Mitte aushebeln. Andrea Pirlo sieht die Lücke in der deutschen Abwehr und paßt konträr zu deren Bewegungs­richtung in den Lauf von Fabio Grosso, der den Ball allerdings auch erst mal an Lehmann vorbei zirkeln muß. Dieses 1:0 beendet jäh den deutschen Kollektiv­traum vom vierten Welt­meister­schafts­titel; allein dies ist schon ein guter Grund, dieses Tor zu adeln.

Ausgerechnet Fabio Grosso! Ausgerechnet der Spieler, der mitverant­wortlich für eine der größten Ungerechtig­keiten im gesamten Turnier war. Ausgerechnet der Spieler, der in der aller­letzten Minute der Nach­spielzeit im Achtel­finalspiel gegen Australien es sich nicht entgehen ließ, einen am Boden liegenden Australier zum Anlaß zu nehmen, über ihn zu stolpern, obwohl er alle Zeit der Welt hatte, diesen zu umkurven. Der spanische Schieds­richter Luis Medina Cantalejo fiel darauf hinein und Francesco Totti ließ sich das Geschenk nicht entgehen. Eigentlich disquali­fiziert dies Fabio Grosso davon, ein schönstes Tor geschossen haben zu können.

Doch wollen wir der Sache ruhig ein wenig genauer auf den Grund gehen. Australiens Stürmer berannten das italienische Tor, trafen es aber nicht, zumindest nicht die Maschen in dessen Inneren. Italien war durch einen Platz­verweis geschwächt und verteidigte das Unent­schieden mit einer halbwegs soliden Abwehr­leistung. Das Tor, wann immer es fallen mochte, konnte entweder nur irregulär sein oder im Elfmeter­schießen fallen. Nehmen wir einmal an, Fabio Grosso hätte diesen geschundenen Elfmeter nicht zugesprochen bekommen. Das Spiel wäre in die Verlängerung gegangen und hätte wahr­scheinlich torlos geendet. Nehmen wir weiter an, Italien hätte dieses Elfmeter­schießen verloren  und Australien wäre dann im Viertelfinale auf die Ukraine getroffen. Wer auch immer dieses Spiel gewonnen hätte, wäre dann im Halbfinale Gegner des deutschen Teams geworden. Nicht auszu­denken! Klose, Podolski, Schwein­steiger und Odonkor hätten mit egal welchem von beiden Teams doch Katz und Maus gespielt. Und dann? Deutsch­land im Finale gegen Frankreich. Ok, vielleicht hätte es dann so etwas wie eine historische Gerechtig­keit gegeben und Frankreich hätte den Titel gewonnen. Aber sicher ist das nicht. Stellen wir uns lieber nicht ein Elfmeter­schießen zwischen beiden Teams vor – Frankreich hätte nur verlieren können. Nein, so gesehen war es ein kluger Schachzug von Fabio Grosso, über Lucas Neill zu stolpern, weil nur dies ihm die Möglich­keit eröffnen konnte, den deutschen Fußball­traum wieder in realisti­schere Bahnen zu lenken. Der wahre Grund für das erste italienische Tor im Halbfinale liegt allerdings darin, daß die deutsche Mannschaft nur noch das Elfmeter­schießen erreichen wollte, die Italiener jedoch nach der Entscheidung strebten – und sie mit vier Stürmern auch suchten, was für italienische Fußball­verhältnisse geradezu sensationell ist. Die Pointe war natürlich, daß es ausgerechnet mit Fabio Grosso ein Abwehr­spieler war, der traf.

Daher – klarer Fall – eines der schönsten Tore dieser Welt­meister­schaft.

Und obwohl es nichts zu bedeuten hat, sei darauf hingewiesen, daß Fabio Grosso auch die Ehre hatte, den allerletzten Elfmeter, der zum Welt­meister­titel führte, dem machtlosen Fabien Barthez ins Netz zu setzen.

Sieben Spiele zum Ruhm

Das kollektive Gedächtnis ist kurzzeitig und gnädig. Als Jürgen Klinsmann nach der Pleite bei der Europa­meister­schaft 2004 als Verlegen­heits­kandidat  das wichtigste deutsche Amt nach dem des Bundes­kanzlers übertragen wurde, ergossen sich Orgien von Hohn und Spott über seine neuartigen Trainings­methoden. Wobei es weniger die Methoden waren, sondern der Umstand, daß der deutsche Fußball von US-amerikanischen Fitness-Experten koloniali­siert wurde. Jürgen Klinsmann ging jedoch seinen Weg. Sein Motivations­kurs beruhte auf simplen Management-Techniken: Begeistere deine Unter­gebenen, rede ihnen immer wieder ein, daß sie es schaffen können – und sie werden es schaffen. Hinzu kam allerdings ein Neuaufbau des Spielerkaders und das mit Neulingen leichter einzuübende Denken in den Bahnen des modernen System­fußballs. Der Mann im Hintergrund ist Joachim Löw – und der scheint etwas von der Materie zu verstehen.

Schauen wir ruhig noch einmal auf das Jahr 2004 zurück. Die deutsche Fußball-National­mannschaft hatte sich in den vier Jahren unter Bundestrainer Rudi Völler kaum vom Fleck bewegt. Unterlag sie bei der Europa­meister­schaft 2000 einer portugiesischen B-Auswahl leicht und locker mit 0:3 (und es war das erste Spiel, bei dem ich bei einer deutschen Mannschaft die Angst im Gesicht sehen konnte!), brachte sie vier Jahre später das Kunststück zustande, gegen einen Fußball­giganten wie Lettland ein torloses Unent­schieden zu erkämpfen , um im anschließenden letzten Gruppen­spiel gegen eine tschechische B-Auswahl mit einem 1:2 das nächste Desaster zu erleben.

Die Tage von Tante Käthe waren gezählt. Da zählte auch das vollkommen über­raschende Erreichen des Endspiels bei der Fußball-Welt­meister­schaft 2002 in Südkorea und Japan nicht mehr. Allen, die auch nur ein wenig vom Fußball etwas zu verstehen glaubten, war klar, daß Völlers Rumpel­truppe im fernen Asien einfach nur das Glück gehabt hatte, wirklich ernsthaften Gegnern aus dem Weg gegangen zu sein. Saudi-Arabien, Irland, Kamerun, Paraguay, die USA und Südkorea sind und waren nun wirklich keine ernst zu nehmenden Mann­schaften. Im Viertel­finale gegen die USA bedurfte es zudem der Unter­stützung des Schieds­richter-Gespanns, um eine Runde weiter zu kommen, weil ein glasklares Handspiel von Torsten Frings auf der Torlinie nicht geahndet wurde. Anerkennens­wert hingegen war das deutsche Spiel im Finale gegen Brasilien, das tatsächlich etwas mit Fußball und nicht mit Rumpeln zu tun hatte.

Jürgen Klinsmanns radikaler Umbau der Nationalelf hatte durchaus etwas mit neoliberalen Lebens­weisheiten zu tun. Er krempelte so ziemlich alles am verstaubt daher­kommenden DFB um und verbreitete die gute Partylaune der geschäfts­tüchtigen Spaß­gesell­schaft. Es war dabei gar nicht so wichtig, ob alle seine neue Ideen wirklich wirkten. Entscheidend war, eine mentale Sperre zu durch­brechen und die Spieler (und den Verband) daran zu gewöhnen, daß ab sofort „lebenslanges Lernen“ und flexibles Denken und Handeln angesagt waren. Diesen Kurs hielt er zwei Jahre lang eisern durch. Sein Ziel, Welt­meister zu werden, erreichte er jedoch nicht. Bei aller Begeisterungs­fähigkeit und mentaler Aufbau­arbeit fehlte es zuletzt doch an den entschei­denden spielerischen Möglich­keiten. Allerdings war der Traum, Welt­meister zu werden, im Nachhinein betrachtet alles andere als unrealis­tisch. Der Titelgewinn war möglich – Griechenland bewies ja schon 2004, daß auch eine zweit­klassige Mannschaft nur die Gunst der Stunde zu nutzen wissen muß. Klinsmann powerte und war am Ende ausgebrannt. Seine Entscheidung, den Job an den Nagel zu hängen, hatte jedoch auch mit den Erlebnissen der ver­gangenen zwei Jahre zu tun. Er bewahrte sich ein gewisses Maß an Selbst­achtung und hatte nicht vergessen, wie übel die Medien und manche Bundesliga­manager mit ihm umgesprungen waren. 

Noch in den Testspielen vor dem großen Party-Event erhielten die Zweifler Nahrung. Selbst das 7:0 am 27. Mai gegen Luxemburg war keine Offen­barung, weil es die Abstimmungs­probleme in der Abwehr erahnen ließ. Drei Tage später gelangen einem nicht gerade als Torjäger bekannten Bundesliga­spieler, dem Japaner Naohiro Takahara, gleich zwei Treffer gegen eine weitgehend desolat auftretende deutsche Mannschaft. Wenn man und frau bedenkt, wie schwach die Japaner in ihrer nun wirklich nicht schwierigen Vorrunden­gruppe mit Brasilien, Kroatien und Australien auftraten, dann ist das mühsam erreichte 2:2 schon bemerkens­wert. Allerdings müssen wir hier berück­sichtigen, daß es sich um ein Testspiel gehandelt hat; und ein Testspiel ist nun einmal dazu da, um etwas auszutesten, und nicht dazu, den Massen einen hohen Unterhaltungs­wert zu garantieren. Schon am 2. Juni sah die Welt dann wieder ganz anders aus, als das nicht für die WM qualifizierte Kolumbien locker mit 3:0 ausgespielt wurde. So langsam wirkten die Wunder­mittel des Zauberers Klinsmann: Kondition, mentale Aufbau­arbeit, Kooperation, Kommunikation, Teamgeist. Das sollte im Eröffnungs­spiel der Fußball-Welt­meister­schaft als erstes die Mannschaft aus Costa Rica erfahren. Lukas Podolski erklärte dann auch am 7. Juni auf einer Presse­konferenz rotzfrech: „Costa Rica hauen wir am Freitag weg und dann sehen wir mal weiter.“ 

Das 4:2 im ersten Spiel – zwei Tage nach den lockeren Sprüchen – zeigte zwar immer noch die Abwehr­probleme, die der alternde Star der costa­ricanischen Mannschaft Paulo Wanchope zweimal gnadenlos offenlegte, doch gleichzeitig auch den offensiven Charakter des deutschen Spiels. Die eingeübte mentale Schnellig­keit kam dort zum Vorschein, wo es darum ging, den Gegner durch unerwartete Spielzüge eiskalt zu erwischen. Philipp Lahm ist sicher nicht für seine genauen Torschüsse bekannt; und doch schoß er das erste Tor, das aus einer im Nachhinein auffällig hohen Anzahl von Weit­schüssen resultierte.

Das 1:0 im zweiten Spiel am 14. Juni gegen Polen war schon wesentlich schwieriger heraus­zuspielen. Genau betrachtet berannte die deutsche Mannschaft neunzig Minuten lang das polnische Tor, ehe die Ermattungs­strategie durch das Zusammen­spiel von David Odonkor und Oliver Neuville in der Nachspiel­zeit doch noch zum Erfolg führte. Dieses Tor wurde zum Erweckungs­erlebnis einer ganzen Nation. Der mit diesem Tor verbundene kollektive Aufschrei, der bei den digital schauenden Massen einige Sekunden später einsetzte, brach einem sich anschließend immer hemmungs­loser werdender Nationa­lismus Bahn. Etwas wurde freigesetzt, das sich jahrelang, vielleicht jahr­zehntelang angesammelt hatte. Jetzt bedurfte es nur noch der höheren Weihe von Politik und Medien, um diesen Patriotismus harmlos und schön zu finden. Diese zogen die Legitimation des neu entfachten Patriotismus daraus, daß die Gäste aus aller Welt die Deutschen auf einmal als so richtig „normal“ befanden.

Mit dem dritten Sieg im dritten Spiel, dem 3:0 am 20. Juni gegen Ecuador, war dieser Nationa­lismus mit überall auf­tauchenden Deutsch­land-Fahnen und mitunter geschmacklosen Gesängen fast schon normal. Der Verkehr in den Innenstädten brach unter dem Ansturm hupender Autos und grölender Fans zusammen. Deutsch­land im Rausch. Das Spiel gegen das Team Ecuadors selbst war hierbei nur mäßig interessant. Klinsmanns Mannen spielten frisch-fröhlich auf und ließen der über­forderten Abwehr der Vertretung des Anden­staates kaum die dringend benötigten Atempausen, um ein eigenes Spiel zu organisieren. So sehr Ecuadors Qualifikation für das Achtelfinale eine Über­raschung darstellte, so sehr zeigte sich auch, daß diese Mannschaft nicht wirklich als ernsthafter Gegner zu betrachten war. Im Grunde genommen entpuppte sich die Vorrunden­gruppe A (ebenso wie die Langweiler-Gruppe H mit Spanien, der Ukraine, Tunesien und Saudi-Arabien) als Leicht­gewicht. Das tat dem Feiern keinen Abbruch. Auch solche Spiele wollen ja erst einmal gewonnen werden! Fast zehn Jahre Dritt­klassigkeit im inter­nationalen Vergleich hinterlassen eben Spuren im Selbst­bewußtsein der Spieler und in der Wahr­nehmung der Fans.

Vielleicht ist es auch einfach so, daß sich – sicher nicht bewußt! – die jugendlichen Party­gängerinnen und -gänger ein weitgehend selbst zu bestimmendes Event ausgesucht haben, um zu demon­strieren, daß es in diesem Land sonst nichts zu feiern gibt. Bei den üblichen kommerziellen Angebote (Konzerte, Disco, Kino, Kneipe) verblaßte hingegen die Anziehungs­kraft. Die riesigen Fanmeilen und die abendlichen Hupkonzerte boten so etwas wie einen karnevalis­tischen Auslauf. Einen Monat später sind die Fahnen wieder weitgehend eingerollt und die Monotonie des Alltags geht unwider­sprochen weiter. Es wurde also durchaus etwas Subversives sichtbar, was jedoch nicht bedeutet, daß diese Subversion emanzi­patorisch oder kritisch ausgelebt wurde. Sie läßt sich zukünftig sicherlich nicht auf Knopfdruck reaktivieren, zeigt jedoch einen Bodensatz an Mobilisier­barkeit, der jederzeit auch ganz und gar nicht partymäßig reanimiert werden könnte.

Die Mannschaft nahm den Ball, den die Fans auf der Partymeile spielten, dankbar auf. Achtel­final­gegner Schweden hatte am 24. Juni niemals den Hauch einer Chance, obwohl die beiden frühen Tore durch Lukas Podolski wahr­scheinlich nur deshalb zustande gekommen waren, weil die Schweden ihre Haus­aufgaben nicht gemacht hatten. Sie hätten wissen müssen, daß der deutsche Wirbelwind gerne schon in der ersten Spielminute loslegt und daß deutsche Stürmer zuweilen wissen, wo das Tor steht. Auch nach dem 2:0 berannten Klinsmanns Jungs weiter das schwedische Tor, wahr­scheinlich, weil sie wußten, daß sie unfähig sind, einen Vorsprung zu verwalten, wie dies die Portugiesen bei dieser Welt­meister­schaft fast vorbildlich (und lang­weilend) vorführten. Allerdings kam nichts Zählbares mehr dabei herum, selbst dann nicht, als der Schwede Teddy Lucic wegen wieder­holten Foulspiels vom Platz gestellt wurde und Henrik Larsson einen Foul­elfmeter über das Tor schoß. Wer genauer hingeschaut hatte, wird vielleicht schon geahnt haben, womit die deutsche Mannschaft in den nächsten Spielen ihre Probleme haben würde: mit Abwehr­reihen, die sich nicht anfänger­haft ausspielen lassen. Hinzu­zufügen wäre, daß das deutsche Team immer wieder Geistesblitze an Spielwitz verbreitete, die jedoch spätestens nach dem dritten Abspiel durch Ballverlust schlagartig an Leuchtkraft verloren.

Dann kam das Spiel der Spiele am 30. Juni gegen Argentinien. Keine Rede war mehr von den Abstimmungs­problemen der deutschen Abwehr, die sich inzwischen eingespielt hatte. Aber auch die Argentinier waren gut vorbereitet und ließen Miroslav Klose und Lukas Podolski kaum eine ernsthafte Chance. Dann führte Argentinien durch ein Tor von Roberto Ayala mit 1:0 und Trainer José Pekerman machte wahr­scheinlich den Fehler seines Lebens. Er versuchte, den Vorsprung zu halten und nahm seine Offensiv­kräfte Juan Riquelme und Hernán Crespo aus dem Spiel. Für den Ausgang der Begegnung entschei­dender war jedoch das Foul von Miroslav Klose an Argentiniens Torwart Roberto Abbondanzieri, der ausgetauscht werden mußte. Abbondanzieri war bekannt dafür, beim Elfmeter­schießen den Gegner zur Verzweiflung zu treiben. Natürlich darf man und frau Klose keine Absicht unterstellen, wie überhaupt die vielen häßlichen hinter­hältigen Fouls dieser Welt­meister­schaft alles andere als absichtsvoll begangen worden waren. Wie dem auch sei – Klose ließ dem Ersatz­torwart keine Chance, als er einen der wenigem bilderbuchartig vorgetragenen Angriffszüge der deutschen Mannschaft mit dem Kopf ins Tor versenkte. Das Elfmeter­schießen ist kurz erzählt: Oliver Kahn tätschelte Jens Lehmann, der erhielt zudem einen Spickzettel von Andreas Köpke. Diesen Spickzettel entnahm Lehmann demonstrativ vor den anwat­schelnden Elfmeter­schützen Argentiniens seinem Schien­bein­schoner und erwies sich hiermit als Meister der psycho­logischen Kriegs­führung. Zwei Argentinier zeigten Nerven – und Lehmann hielt. Wer am besten pfuscht, foult oder betrügt, gewinnt.

Und wieder brach auf Deutsch­lands Straßen das Chaos aus. Die Anzahl der begangenen Verkehrs­delikte dürfte in die Hundert­tausende gegangen sein, doch Deutsch­lands patriotisch gesinnte Polizei drückte alle möglichen Augen zu. Kreuzungen wurden blockiert, Fahrrad­wege dicht­gemacht, Sicherheits­gurte ignoriert, Alkohol getrunken, sowie im Stehen und mit offenen Türen durch die Gegend gefahren. Auch das Hupen ist laut Straßen­verkehrs­ordnung nur in bestimmten Verkehrs­situationen gestattet, und dazu gehört eindeutig nicht das Nerven der ganzen Nachbar­schaft. Wenn ich das so schreibe, klingt das spießig, aber genau das ist es nicht. Es geht mir gar nicht darum, daß geltende Regeln eingehalten werden oder die auch im normalen Straßen­verkehr alle Regeln ignorierenden Auto­fahrerinnen und Autofahrer bestraft werden. Begrenzte Regel­verletzungen können sehr wohl sinnvoll sein, denn jede rechtliche Norm ist zunächst einmal Ausdruck bestimmter Herrschafts- und Klassen­verhältnisse. Kriminell ist demnach das, was eine Gesell­schaft als „kriminell“ definiert. Allerdings kann ich keinen emanzi­patorischen, auf Befreiung von derartigen Verhältnissen abzielenden Sinn im gnadenlos blöden Hupkonzert nach einem deutschen Fußballsieg sehen.

Feiernde.

Bild 4: Hupkonzert auf der Bismarck­straße in Darmstadt.

Ach ja – und natürlich wurde jede Menge Müll produziert. Es ist schon bemerkens­wert, wenn unsere Sauber­männer und Sauber­frauen, die zum Wohle von Investoren und einem anvisierten kauf­kräftigen Publikum die Innenstädte von hierbei störendem Gesindel mittels Gefahren­abwehr­verordnungen, privaten Sicherheits­diensten, Video­überwachung oder Platz­verweisen zu befreien suchen, aber bei der gigantischen Müll­produktion konsum­orgiastischer Events nicht nur wegschauen, sondern die Beseitigung dieses offen­sichtlich erwünschten Mülls bereitwillig aus der Staats- oder Stadtkasse subventionieren. In einem etwas anderen Zusammen­hang schreibt hierzu Freibergs alternative Zeitung, der FreibÄrger: Freibergs

„Ordnungs­amtsleiter Udo Neie bilanziert das Geschäft mit der Sauberkeit: Im ersten Halbjahr 2006 haben die Ordnungshüter der Stadt etwa 180 ‚Schmutzfinken‘ ertappt und zur Kasse gebeten. 153-mal zahlten Bürger­Innen jeweils 20 Euro, weil sie Zigaretten­kippen, Papier, Flaschen oder Essensreste wegwarfen. Den Dreck beim Berg­stadtfest räumte die Stadt selbstlos auf eigene Kosten, die bekannter­maßen auch Steuer­zahlerInnen übernehmen.“ 

Keine Party eben ohne Müll. Verantwortung wird in einer wahrhaften Demokratie nämlich dann nicht eingefordert, wenn es dem Geschäfts­zweck dienlich ist. Dann darf der Bürger (die Bürgerin ist nicht ganz so hemmungs­los) die Sau rauslassen.

Welche Ausmaße diese erwünschte Müll­produktion annahm, läßt eine Meldung des Darmstädter Echo am 27. Juni 2006 erahnen. Demnach hat der städtische Sauber­keitsdienst EAD nach dem Schweden-Spiel 2,2 Tonnen Müll einsammeln müssen. Martin Frenzel, Pressesprecher der Stadt Darmstadt wird mit den Worten zitiert: „Mit Müll dieser Menge hätten wir erst ab dem Halbfinale gerechnet, aber noch nicht jetzt.“ Deutschland­fahnen wurden jedoch in diesem Müll nicht gefunden, so eine städtische Müllein­sammlerin.  Diesen Ausgaben­posten hat Jens Weinreich in der Berliner Zeitung wahr­scheinlich vergessen. Hochge­rechnet auf die müll­verbreitungs­fähige Bevölkerung Patriotiens dürften demnach während der gesamten Welt­meister­schaft rund 5000 bis 6000 Tonnen Abfall aller Art produziert worden sein, die selbstredend als Wirtschafts­aufschwung gezählt werden.

Doch am Abend des 4. Juli kam das grausame Erwachen. Der system­fußballerisch modifizierte Catenaccio der italienischen National­mannschaft erwies sich als haltbar. Die deutschen Sturmspitzen blieben stumpf. Hier zeigten sich dann doch die einge­schränkten spielerischen Möglich­keiten der deutschen Mannschaft. Um einen solchen Riegel zu knacken, benötigt man eben mehr als ein oder zwei genaue Zuspiele. Natürlich ist auch eine italienische Mannschaft auszuhebeln. Doch merkwürdiger­weise ist es keinem der Gegner Italiens wirklich gelungen. Der einzige, der die italienische Abwehr ziemlich alt hatte aussehen lassen, war Thierry Henry; und der stand im Endspiel allein auf verlorenem Posten, weil sein Trainer nicht realisiert hatte, daß ein zweiter Stürmer dem französischen Spiel besser bekommen würde. Doch die Italiener waren müde, was sich mit zunehmender Spieldauer ab und zu bemerkbar machte. Lukas Podolski bekam über­raschend zu Ende der ersten Hälfte der Verlängerung die Chance seines Lebens auf den Kopf – doch er reagierte zu überhastet. Spielent­scheidend war jedoch, daß die Deutschen sich ins Elfmeter­schießen retten wollten, die Italiener wollten jedoch gewinnen. Also sorgten sie kurz vor Ende des Spiels für eine Unacht­samkeit in der deutschen Abwehr; und so blieb es Fabio Grosso vorbehalten, die deutschen Träume zu beenden.  Es muß jedoch bemerkt werden, daß sein Schuß aufs Tor ungewöhn­lich präzise war. Üblicher­weise wird eine solche Chance hemmungs­los versiebt. Das zweite Tor für Italien durch Alessandro Del Piero entsprang einem kalt­schnäuzig abge­schlossenen Konter, weil nun alle bis auf Torhüter Lehmann das italienische Tor berannten.

Blieb also nur das kleine Finale in Stuttgart am 8. Juli gegen Portugal, das relativ leicht mit 3:1 gewonnen wurde. Jürgen Klinsmann ließ bis auf den dritten Torwart Timo Hildebrand im Verlauf dieses Spiels auch all diejenigen Spieler kürzer oder länger auflaufen, die im Verlauf des Turniers nicht zum Einsatz gekommen waren. Oliver Kahn beendete seine Länderspiel­karriere mit einem unver­schuldeten Tor durch Nuno Gomes nach einer wunder­schönen Hereingabe von Luis Figo. Am Tag darauf gab es noch einmal eine Party in Berlin, die nahe an der Grenze zur Peinlich­keit geriet, als sich die deutschen Spieler im Trikot Nummer 82 einzeln und gemeinsam feiern lassen mußten. Klinsmann tat danach das einzig richtige: er trat ab. Etwas Größeres als das, was er in den vier Wochen der Welt­meister­schaft erschaffen hat, würde er nicht mehr erreichen können. Es muß sich zeigen, ob Joachim Löw in den grauen Alltag der Europa­meister­schaft-Qualifikation den Schwung und die Stimmung der großen Party wird hinüber­retten können. Zwar hat die Mannschaft durchaus das Zeug zum Europa­meister, aber –

Ruhm ist vergänglich.

Anachronismus oder neoliberaler Charme – die National­mannschaften

Man und frau sollte eigentlich denken, daß in Zeiten der Globali­sierung der National­staat zu einer aus­sterbenden Art gehört. Dennoch läßt sich gerade bei dieser Welt­meister­schaft das Gegenteil beobachten. Gerade der Bezug auf das Nationale mit all seinem Brimborium (Fahne, Hymne) erfreute sich ganz augen­scheinlich großer Beliebtheit. Nun mag es sein, daß wir bei diesem Event nur einen Ausschnitt der jeweiligen nationalen National­kulturen erlebt haben. Womöglich sind wir nur den Fans begegnet, die national gesinnt sind, während diejenigen, denen das Nationale eher abgeht, zu Hause geblieben sind. Das wird sich schwer verifizieren lassen. Der Bezugspunkt der allgemeinen Euphorie ist ein Ereignis, das bewußt national konnotiert ist. Während in den anderen 48 Wochen des Jahres die meisten Akteure in ihren Vereins­mannschaften ganz anderen Loyalitäts­zwängen unterworfen sind und es dann auch nur um das schnöde Geld­verdienen geht, sind diese vier Wochen im Jahr mit einer besonderen Weihe der Heiligkeit versehen. Obwohl wir seit Ende des Zweiten Weltkrieges Hunderte von Kriegen oder zumindest militärischen Auseinander­setzungen zwischen Staaten und solchen, die es noch werden wollen, erlebt haben, wird der nationale Wahn im Fußball geadelt, vielleicht auch einfach nur sublimiert. Das in diesem Gedanken­gang allgegen­wärtige Beispiel des Fußball­kriegs zwischen El Salvador und Honduras im Juli 1969 im Vorfeld der Fußball-Welt­meister­schaft 1970 in Mexiko  verweist jedoch darauf, daß der Fußball eben mehr Gewalt­potential besitzt als dies in der Regel erscheinen mag.

Nun ist das Spiel als solches nicht verant­wortlich zu machen für nationale Attitüden oder gewalt­förmige Ereignisse, obwohl durchaus zu bedenken wäre, daß ein derartiges Spiel nicht aufgrund des damit verbundenen Spaßes, sondern der damit einher­gehenden Gewalt­ausübung erfunden wurde, ja mehr noch: man und frau könnte vermuten, daß Spaß und Gewalt­ausübung eng miteinander zusammen hängen. Denn es verweist schon die Entstehungs­geschichte dieses Spiels darauf, daß Fußball ohne Gewalt nicht denkbar ist.  Nicht zufällig wurde er im 19. und zu Beginn des 20.  Jahr­hunderts sehr wohl als Mittel der militärischen Ertüchtigung verstanden, aber auch als eine Form kollektiver Selbst­disziplinierung innerhalb eines „Teams“. Sport ist seinem Ursprung nach durchaus Mord und wurde erst im Zuge der allgemeinen Zivilisierung des kapitalis­tischen Arbeiter- und Kolonial­subjekts entschärft. Eine weitere Entschärfung fand dann seit den 1980er Jahren statt, als die Fußball­stadien zumindest in den kapitalis­tischen Metropolen zu modernen Event-Arenen für die Familie umgebaut wurden. Gerade Frauen sollten als Publikum gezielt angesprochen werden, weil in ihnen eine neue ausgabe­freudige Ressource gesehen wurde. Die Sitzplatz­arenen sind daher der architek­tonische Ausdruck der modernen dosiert aggressiven Event-Kultur. Stehplätze ziehen ein anderes Publikum an, eines, das als weniger kontrollierbar gilt.

Mir geht es gar nicht darum, den Pöbel als gewalttätig zu bezeichnen. Das übernehmen andere, und die verbinden hiermit auch ihre eigenen Interessen. Der Sicherheits­wahn rund ums Stadion speist sich aus den hochge­putschten Berichten über zunehmenden Hooli­ganismus rund um den runden Ball in den 1970er und 1980er Jahren. Gerade weil die Arenen ohnehin neu gestaltet werden sollten, kam den Marketing-Akteuren diese vielleicht tatsächlich zunehmende, vielleicht auch nur sichtbarer gemachte, weil zuvor vollkommen normale Männer­gewalt durchaus zupaß. Aber sie trauen auch dem heutigen Publikum nicht über den Weg und demonstrieren dies durch Einlaß­kontrollen, Sicherheits­merkmale, Daten­abgleich und massive Polizei­präsenz. Wäre es nicht so absurd, müßte ich fast glauben, daß für die herrschenden Klassen der Fußball immer noch eine subversive Potenz birgt.

Interessant ist nun, daß das nationale Ereignis nicht mehr nur männlich auftritt. Wenn wir genauer hinschauen, entdecken wir natürlich immer noch eine männliche Dominanz, und viele Frauen gehen immer noch als Anhang ihrer Ehemänner, Freunde oder Bekannten ins Stadion, zum public viewing oder aufs Hupkonzert.

Feiernde.

Bild 5: Hupkonzert auf der Kasino­straße in Darmstadt.

Doch was ist so attraktiv daran, wenn vollkommen normale Menschen, denen der Fußball zuvor ziemlich schnuppe war, auf einmal in Klinsmanns Mannen ihr National­gefühl entdecken? Was bedeutet es, wenn auf einmal „wir“ gewinnen, „wir“ wieder Deutschland sind? Hierbei ist zumindest zu bedenken, daß es zur normalen Fankultur gehört, sich mit dem „eigenen“ Verein auf eine zum Teil geradezu absurde Weise zu identifizieren. Das Unbehagen mit der kapitalis­tischen (und patriarchalen) Umwelt wird trans­formiert in eine Art Ersatz­identität, die im Grunde nur aufzeigt, daß die moderne neoliberale Gesellschaft gleichermaßen identitäts­bildend wie sozial­zerstörerisch ist.

Nun muß die Sorte Identifikation nichts Schlechtes sein. Beklagt wird ja auch der Zusammen­bruch alther­gebrachter Familien­strukturen, wozu auch das Phänomen der Lebens­abschnitts­gemeinschaften gehört, das sich der traditionellen Ehe verweigert. Dieser Atomisierungs­prozeß hat objektive Grundlagen, die in der zunehmenden Warenförmig­werdung des Menschen begründet liegt. Das betriebs­wirtschaftliche Kalkül neoliberaler Konzerne weitet sich nicht nur als Privati­sierung in den öffentlichen Raum aus, sondern führt mitten hinein in die aller­heiligsten Familien­strukturen. Soziale Gemein­schaften funktionieren zunehmend nicht mehr aus Liebe und Zuneigung (deren strukturelle Ursachen allerdings auch fragwürdig sind), sondern im Sinne von Tausch­gemeinschaften oder als Waren­beziehung. Gibst du mir, gebe ich dir. Wieviel ist mir eine Freund­schaft wert, was muß oder will ich in sie investieren? Da Menschen jedoch soziale Wesen sind, die extrem auf Bestätigung und Zuwendung angewiesen sind, müssen sie sich diese (im Kapitalismus!) entweder erkaufen oder neue Grundlagen hierfür stiften. Der Verein, die Mannschaft, das Team sind derartige Ersatz­konstrukte.

Der Sprung zum Nationalen ist jedoch in Deutsch­land mit einer besonderen Problematik behaftet, weil die deutsche Geschichte des 20. Jahr­hunderts das Unheilvolle der nationalen Überhöhung ziemlich mörderisch gezeigt hat. Andere Nationen sind da lässiger, und da möchten die Deutschen auch gerne wieder hin. Deshalb werden uns diese anderen Nationen auch als lässiger im Umgang mit dem Nationalismus vorgeführt, wobei dann bewußt verschwiegen wird, daß diese National­staaten jeweils ihre eigene Kolonial- oder anders begründete Kriegs­geschichte besitzen. Im heutigen Deutsch­land spielen hierbei selbst­redend eigene politische, militärische und wirt­schaftliche Erwägungen und Interessen eine Rolle; aber dies erklärt eigentlich nur die Penetranz, mit der uns der Patriotismus und das National­gefühl um die Ohren gehauen werden.

Wir müssen das Bedürfnis nach dem Nationalen ernst nehmen. Wir dürfen es jedoch nicht affirmativ gutheißen und ideologisieren.

Das nationale Bewußtsein ist eine Identifikation mit dem Aggressor, aber eine Identi­fikation, die es auch ermöglicht, ungestraft aggressiv zu sein. Sie findet sich unter­schiedlich motiviert, aber ähnlich konstruiert in rechts­nationalen, gar rechts­extre­istischen Kreisen genauso wie in links­liberalen Anti­globalisierungs­bündnissen, die im (nationalen) Staat die Rettung vor dem (weltweiten Heu­schrecken-) Finanz­kapital sehen, aber sie findet sich selbst­verständlich auch in der „Mitte der Gesellschaft“. Deshalb ist eine Fußball-Welt­meister­schaft, gar eine im eigenen Land, ein willkommener Anlaß, diese nationalen Befindlich­keiten ungehemmt und ohne anzuecken zur Schau zu stellen. Ob das gefährlich ist, muß sich zeigen. Emanzipa­torisch ist es auf jeden Fall nicht. Emanzipa­torisch wäre, über den Tellerrand der Nation zu schauen und zu begreifen, daß Ausbeutung und Armut, Hunger und Krieg eine ganze Menge damit zu tun haben, was wir uns hierzulande gefallen lassen.

Insofern erfüllt eine Fußball-Welt­meister­schaft auch das Kriterium von Brot und Spielen.

Weiterhin ist deshalb festzuhalten, daß der positive Bezug auf eine andere Fußball­nation als die deutsche am eigentlichen Problem vorbeigeht. Es kann nicht darum gehen, eine andere Nation und auch nicht das Team einer anderen Nation zu bejubeln. Es ist die Nation an sich, die das Problem darstellt. Mann­schaften, die aus nationalen Gründen zusammen­gestellt werden, vermitteln keine positiven (emanzipa­torischen) Werte, bestenfalls das chauvinistische Ressen­timent. Ob und inwieweit dies auch für Nationen und deren Mann­schaften gilt, welche erst im 20. Jahr­hundert die (formale) Unab­hängigkeit erlangt haben, wäre jedoch zu diskutieren.

Ob und inwieweit diese Welt­meister­schaft tatsächlich der (deutschen) nationalen Mobilisierung dienen kann, müßte eine langfristig angelegte Studie zeigen. Kommenta­torinnen und Kommentatoren, die hier keine Nach­haltigkeit im Sinne kriegerischer Mobil­machung erwarten, können hier nur Vermutungen anstellen. Für mich hat das etwas vom berühmten Pfeifen im Wald.  Doch worin könnte die tatsächliche Nutzbar­machung des party­generierten nationalen Überschwangs liegen? Petra Roth, Frankfurts Ober­bürger­meisterin, hat in einem Interview mit der Frankfurter Rundschau Ende Juni 2006 eine Möglich­keit aufgezeigt: die faulen Arbeitslosen mögen sich in Zukunft patriotischer verhalten und dem Kapital geben, was des Kapitals ist.  Hier dienen die sozial­politischen Vorstellungen des deutschen Kapitals, wie sie sich in der Hartz IV-Gesetz­gebung zeigen, als Einfallstor für neoliberale Vorstellungen vom selbst­genügsamen und vor allem verantwortungs­bewußten Homo Oeconomicus. Dieser, und das ist der große Irrtum aller Kritikerinnen und Kritiker dieses Konzepts, ist ja nicht nur an der best­möglichen Verwertung seiner selbst in einem vollkommen markt­transparenten Kontinuum interessiert – welches es bekannt­lich nur in den halluzi­nierten Wahn­vorstellungen vom totalen Markt geben kann. Die wahre Vorstellung vom Homo Oeconomicus geht jedoch darüber hinaus. Dieser human­kapitalistisch orientierte Mensch hat nicht nur seine eigenen Interessen bestmöglich zu vertreten, sondern auch die seines Kapitals. Oder anders: er verwirklicht sich nur dadurch zu seinem Besten, indem er das imaginierte Gesamt­interesse des globalen Kapitals zu seinem eigenen macht.

Selbst­verleugnung gehört dazu. Kurz vor Beginn der Welt­meister­schaft begegnete ich auf der Straße einer Familie – Vater, Mutter, etwa sechsjährige Tochter. Während wir vor einer roten Ampel warteten, drehte sich das Gespräch um das bevor­stehende Ereignis. Die Tochter begeisterte sich für die italienischen Farben. Darauf meinte der Vater fast schon vorwurfs­voll, auf jeden Fall bestimmt: „Aber wir sind doch für Deutsch­land!“ Offen­sichtlich fehlten der Tochter noch die patriotischen Gefühle, denn sie entgegnete in aller unschuldigen Offenheit: „Ich finde Italien viel schöner.“ Nicht auszu­schließen, daß die Kleine zu Hause einer gründlichen Gehirn­wäsche unterzogen wurde.

Ein nicht unerhebliches Aggressions­potential scheint diesem Nationalismus ebenfalls innezu­wohnen. Eine Bekannte, die sich während der Welt­meister­schaft intensiv mit dem deutschen Team und vor allem mit Miroslav Klose identifizierte, konnte es nicht ertragen, als ich eine DVD mit dem aufge­zeichneten Tor von Fabio Grosso abspielte. Sie, die ich bis dahin als vernünftig und zugänglich kennen­gelernt hatte, stand kurz davor auszuticken. Ihr war und ist es vollkommen unver­ständlich, wie man nicht für Deutsch­land sein könne.

Einzelne Beispiele, gewiß. Allerdings lassen sich weitere anführen  .

Nun führt von hier kein direkter Weg zu Gewalt und Krieg. Allerdings ist zu bedenken, daß das Kapital keine Kategorie im herrschafts­freien Raum darstellt, sondern es zu seinen Wesenszügen gehört, maßlos zu sein, und diese Maßlosig­keit nicht über den Markt, sondern mit Gewalt exekutiert. Die lange blutige Geschichte der ursprünglichen Akkumulation vom 16. Jahr­hundert bis heute wird ergänzt durch die berüchtigten Arbeits­häuser der britischen industriellen Revolution, die inner­imperialistischen Scharmützel und Weltkriege des 20. Jahr­hunderts und heute durch die Warlordi­sierung weltweiter Verteilungs­kämpfe. Robert Kurz hat hierzu in seinem gleichnamigen Buch den Begriff des Welt­ordnungs­kriegs verwendet, und so falsch liegt er damit gewiß nicht. Man oder frau muß nicht zur Schwarz­malerei Zuflucht nehmen, um zu begreifen, daß das aufgeklärte 21. Jahr­hundert noch ganz andere Monster und einen ganz anderen Terror hervorbringen wird als das voran­gegangene . Es ist der Schlaf der Vernunft, der die Ungeheuer gebiert. 

Dennoch ist auch festzuhalten, daß sich Untertanen in den Metropolen des Kapitals daran gewöhnt haben, daß erstens derartige Kriege von ihnen fern­gehalten wurden und zweitens sie selbst nur in Ausnahme­fällen an die Front geschickt werden. Die deutsche Bundeswehr macht seit etwa anderthalb Jahr­zehnten die neue Erfahrung, daß nicht mehr der imaginierte Feind aus dem Osten auf dem Papier oder bestenfalls im Manöver zu bekämpfen ist, sondern ganz konkrete und oftmals schwer faßbare guerilla-ähnliche Trupps ziemlich tödlich sein können. Stück für Stück erweiterte die jeweilige Bundes­regierung seit 1989 ihren Einsatz­horizont, bis Kriegs­minister Peter Struck 2002 die Parole ausgab, Deutsch­land sei auch am Hindukusch zu verteidigen.  Und das war ernst gemeint! Es ist die Selbst­legitimation einer weltweiten Eingreif­doktrin, die ihre Begründung aus der eigenen Maß­losigkeit zieht. Ideologisch gefärbte Gründe gibt es zuhauf: Joschka Fischer und Rudolf Scharping hallu­zinierten einen Hufeisenplan und ein Auschwitz im Kosovo – und schon ging das muntere Bomben auf Belgrad los, was insofern pikant ist, weil Serbien bzw. Jugoslawien schon im 1. und 2. Weltkrieg destruiert worden waren.  2006 muß Deutsch­land mal wieder die Welt retten, konkret: die angeblich demo­kratischen Wahlen im Kongo sicherstellen. Seltsam nur, daß sich deutsche Firmen auf oftmals illegalen Wegen ziemlich lukrative Rohstoffe aus den Warlord-Gebieten des Kongo aneignen, ohne daß dies das demo­kratische Gewissen von Kochs Spezi Franz-Josef Jung rühren würde. Wer möchte auch schon gerne genau hinschauen und feststellen, daß die Methoden der ursprünglichen Akkumulation mitten im Kriegsgebiet wiederkehren? 

Was unterscheidet also den deutschen Nationalismus heute von anderen? Ist er wirklich gefährlicher? Ich denke, es ist problema­tisch, heute noch mit Verweis auf die deutsche Kriegs­geschichte, ausgehend vom wilhelmi­nischen Kaiserreich bis hin zum Massenmord der Nazis und ihrer Wehrmacht, dem neuen deutschen Streben nach Welt­geltung Einhalt gebieten zu wollen. Deutsch­land ist heute ein imperia­listischer Staat, der sich zwar in einzelnen Punkten auf vergangene Traditionen stützt. Entscheidend ist jedoch, daß er seine Motivation aus den nicht nur von Peter Struck in seinen Reden verkündeten „neuen Heraus­forderungen“ zieht. Und so betrachtet ist Deutsch­land heute im Konzert der imperia­listischen Großmächte angekommen. Es gibt jedoch keinen Grund, aus dieser „Normalität“ den Schluß zu ziehen, daß Nationalismus und Patriotismus etwas ganz normales und irgendwie banales geworden sind. Vielmehr gilt es, jede derartige Haltung abzulehnen, am besten, indem man und frau im eigenen Land  anfängt.

Die derzeit zu beobachtende Tendenz zur Histori­sierung der deutschen Geschichte des 20. Jahr­hunderts ist Ausdruck dieser veränderten politischen (und militärischen) Groß­wetterlage. Sicher dient diese Histori­sierung auch der Verharm­losung. Und doch müssen wir vielleicht neu darüber nachdenken und uns davon ablösen, im deutschen Streben nach Welt­geltung, Einfluß und ökonomischem wie militärischem Expan­sionismus immer wieder die Wieder­holung oder Nachfolge des „deutschen Sonderwegs“ zu sehen. Was immer das 21. Jahr­hundert bringen wird – friedlicher wird es mit Sicherheit nicht. Thomas Medicus hat – am Beispiel der jüngst in Mode gekommenen Familien­romane aus der Erlebniswelt von Nazi-Nachkommen – einige Bemerkungen geschrieben, die zumindest einen Anhalts­punkt darauf geben können, was derzeit ideologisch geschieht:

„Alarmistisch ließen sich solche Triviali­sierungen als deutliche Indikatoren einer Verharm­losung von Geschichte deuten. Nüchtern betrachtet sind sie aber vor allem Resultate des Spannungs­abfalls eines Schuld­diskurses, der seine gesamt­gesellschaft­liche Relevanz weitgehend eingebüßt hat. Er schreibt sich jetzt in den Familien­romanen fort, allerdings herunter­gebrochen auf biographische Einzelfälle. Noch gelingt es den Vätertöchtern in ihrer Eigenschaft als Tätertöchter eine längst verloren gegangene Unmittel­barkeit zur Epoche des National­sozialismus zu suggerieren. Lange wird die zweite Generation jene Verkennung, wonach ihre Erinnerung repräsentativ für alle Generationen sei, freilich nicht mehr aufrecht­erhalten können. Die Epoche der Erinnerung nach dem Ende der Erinnerung hat längst begonnen. Die Irreversi­bilität des Übergangs von der Erinnerung zur Geschichte macht die Familien­romane zu Schein­gefechten. Es handelt sich bei ihnen um signifikante Übergangs­phänomene von allerdings nur temporärer Bedeutung.“ 

Doch was hat dies mit dem Fußball und dem neuen Patriotismus zu tun? Nun, eigentlich nichts. Doch andererseits werden just zu dem Zeitpunkt deutsche Soldaten gen Süden geschickt, als die Mehrheit der Deutschen ausgelassen ihr bislang verheim­lichtes National­gefühl auslebten. Eine Nation, die so leicht – durch sieben Fußballspiele einer Truppe, der man und frau das Fußball­spielen gar nicht zugetraut hatte – zu begeistern ist, ist zu allem fähig. Entscheidend ist, daß es keine organisierte Opposition gegen die Wahnsinn gibt. Dabei sein ist eben alles. Und Deutsche sind immer gerne bei allem dabei.

Nachspiel

Wenn wir den Polizeibericht vom 10. Juli 2006 zur vermutlichen Erhellung der Tatsachen heranziehen, geschah in der Nacht nach dem Endspiel folgendes:

Vier junge Männer im Alter von 16 bis 19 Jahren aus Frankfurt und Hofheim sollen am frühen Montag­morgen in Darmstadt ein Spur der Verwüstung angerichtet und dabei auch das Mahnmal „Denkzeichen G­ter­bahnhof“ massiv beschädigt haben. Daneben sollen sie Straßenbahn­haltestellen verwüstet und die Schau­fenster­scheiben von mehreren Geschäften eingeworfen haben. Eventuell kommen noch zwei beschädigte geparkte Autos dazu. Der Sach­schaden beträgt nach ersten vorsichtigen Schätzungen mindestens 100.000 Euro. Nach dem derzeitigen Ermittlungs­stand sei eine politisch motivierte Tat auszu­schließen. Ihre nächtliche Anwesen­heit in Darmstadt erklärten die Vier damit, daß sie nach dem Besuch der Mainarena in Frankfurt auf die Idee kamen, eine Darmstädter Diskothek aufzusuchen. Diese hatte jedoch geschlossen, weshalb sie mit dem Zug wieder nach Hause fahren wollten. Dort wurden sie nach Hinweisen von Passantinnen und Passanten von der Polizei aufgegriffen. Alkohol war wohl auch im Spiel.

Denkzeichen.

Bild 6: Denkzeichen Güterbahnhof im November 2005.

Gehen wir einmal bis zum Beweis des Gegenteils davon aus, daß politische Motive bei der Zerstörung eines Denkmals zur Erinnerung an die aus Darmstadt verschleppten Jüdinnen und Juden, Sinti und Roma keine Rolle spielten. Dann zeigt sich eigentlich etwas sehr Normales. Nach dem Besuch der letzten großen Party gehen beliebige Scheiben zu Bruch. Ein Unterschied zwischen Privatbesitz, öffentlichen Anlagen, Konsum­tempeln und anti­faschistischen Mahnstätten wird nicht gemacht. Es wird nicht einmal darüber nach­gedacht. Alles ist gleich: Täter und Opfer, Ausbeuter und Ausgebeutete, Spaß und Zerstörung, Fußball und Alkohol, Glas und Glas.

Denkzeichen.

Bild 6: Denkzeichen Güterbahnhof im August 2006.

Deutschland ist im 21. Jahr­hundert angekommen.

Anmerkungen

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  1. Interessant wäre es zu erfahren, was Gary Lineker denn nun wirklich gesagt hat. Anderer­seits ist das auch nicht mehr wichtig, denn geflügelte Worte haben ihre eigene Rezeptions­geschichte.   
  2. Jan Philipp Reemtsma weist zurecht darauf hin, daß hier keine kollektive Verdrängung, sondern eine Verleugnung vorlag: „Das Verleugnete ist nicht aus dem Gedächtnis verschwunden, es wird wohl erinnert, nur ist es nicht in einer Weise präsent, die wir für angemessen halten. Hier spielen Werturteile eine Rolle.“ – Jan Philipp Reemtsma: Wozu Gedenkstätten? In: Mittelweg 36, Heft 2/2004, Seite 49-63, Zitat auf Seite 50.   
  3. Christian Jessen, Volker Stahl, Erik Eggers, Johann-Günter Schlüper: Fußball­welt­meister­schaft 1954 Schweiz (2003), Seite 145. Die Autoren beschreiben Herberger als „Maniac“.   
  4. Zur Rezeptions­geschichte des „Wunders von Bern“ siehe auch: Arthur Heinrich: 3:2 für Deutsch­land. Die Gründung der Bundes­republik im Wankdorf-Stadion zu Bern (2004).   
  5. Sepp Maier: „Wahnsinn, wie wir gespielt haben“, Interview in: Folke Havekost, Volker Stahl: Fußball­welt­meister­schaft 1974 Deutsch­land (2004), Seite 97.   
  6. Diese Ära hat eine ganze heran­wachsende Generation geprägt, die nichts anderes als die Perspektiv­losig­keit von Kohl, Kohl und nochmals Kohl kennen­gelernt haben. Die psycho­logischen Auswir­kungen dieser Jahre und der damit verbundenen Politik der geistigen Stagnation auf das Bewußt­sein von Millionen Teenagern wäre eine eigene Unter­suchung wert.   
  7. Ralph Hartmann: »Die ehrlichen Makler« (1998).   
  8. Jürgen Elsässer (Hg.): Nie wieder Krieg ohne uns (1999). Jürgen Elsässer: Kriegs­verbrechen (2000). – Notwendiger Nachtrag 2024: Jürgen Elsässer habe ich 1987 kennen­gelernt, als er noch Agitator für den Kommunis­tischen Bund gewesen ist. Vielleicht hätte frau und man schon bald nach der Jahrtausend­wende ahnen können, wohin er anschlie­ßend abdriftete, nämlich ins rechts­extreme Spektrum.   
  9. Osama bin Laden wurde ja von der CIA dafür ausgebildet, die Ungläubigen auszulöschen. Allerdings vergaß man in Langley, daß eine gute terroristische Ausbildung in Zeiten der Globali­sierung überall nützlich sein kann.   
  10. Zu finden über die Such­funktion auf der Webseite der Bundeswehr.   
  11. Ehemals Bauernopfer des Kofferträgers Roland Koch.   
  12. Reuters, 24. Juli 2006. Carsten Hoffmann: Was wäre, wenn ein Deutscher auf einen Israeli schießen müsste? In: Darmstädter Echo, 26. Juli 2006, Seite 2. Vielleicht denken Israelis hierüber inzwischen „normaler“ als Deutsche. Israels Minister­präsident Ehud Olmert sprach sich am 3. August 2006 für den Einsatz deutscher Truppen im Libanon aus. Ob er damit allerdings auch den Nerv seiner eigenen Gesell­schaft trifft, wäre noch heraus­zufinden. Jedenfalls scheinen sich die Eliten in Deutsch­land und Israel an diesem Punkt auf­einanderzu zu bewegen. [Darmstädter Echo vom 4. August 2006: Israel will deutsche Soldaten in Libanon]   
  13. Antirassistische Initiative e.V. [Berlin]: Bundes­deutsche Flüchtlings­politik und ihre tödlichen Folgen 1993 bis 2002. 10 Jahre im Rückblick. 10. Auflage [2003]. Gruppe tarif_a beim Bayerischen Flüchtlings­rat: Hörspiel „LH 588“, als Audiofile zu finden auf Freie Radios Net.   
  14. Der geradezu hysterische Aufschrei war groß, als diese allgemein bekannte Tatsache kurz vor Beginn der Fußball-Welt­meister­schaft ins öffentliche Bewußtsein gerückt wurde. Siehe Peter Nowak: Zu Gast bei Feinden, in: Telepolis vom 18. Mai 2006 [online]. Wolfgang Pomrehn: Gewalt auf der Straße, in: Telepolis vom 22. Mai 2006 [online]. In Darmstadts Partner­stadt Freiberg gibt es eine alternative Zeitung, den FreibÄrger [www.freibaerger.de]; dort finden sich im Laufe der Jahre einige unappetit­liche Beispiele deutscher Flüchtlings­politik und deutschen Täter­schutzes.   
  15. Jens Weinreich: Die Kunst des Rechnens, in: Berliner Zeitung vom 10. Juni 2006 [online].   
  16. Rainer Kalb: Das Geld zu Gast bei Freunden, in: Darmstädter Echo vom 3. Juni 2006.   
  17. Der Juni gibt den Hotels einen Kick, in: Darmstädter Echo vom 1. August 2006.   
  18. WM nur vereinzelt spürbar in der Kasse, in: Darmstädter Echo vom 1. August 2006.   
  19. Deutsche Musik­industrie beklagt desaströses Sommer­geschäft, in: Der Spiegel 31/2006, Seite 70.   
  20. Enough is enough, Ausgabe 25, Sommer 2006, Seite 6. Eine Schnupper­version mit diesem und dem folgenden Zitat gab es als PDF auch online: http://www.rosalux.de/cms/uploads/media/EIE-Zeitung.pdf.   
  21. Enough is enough, Ausgabe 25, Seite 3.   
  22. Eduardo Galeano: Der Ball ist rund und Tore lauern überall (1995, deutsch 1997), Seite 132.   
  23. Galeano Seite 133.   
  24. Alex Bellos: Futebol (2002, deutsch 2004), Seite 98–122. Ruy Castro: Garrincha (1995, deutsch 2006).   
  25. Insofern sind die Äußerungen eines Rudolf Scharping nach der Doping-Tour de France 2006 einfach lächerlich. Der „reine Sport“, der ihm vorschwebt, ist ein anachronis­tischer und nicht einmal historisch korrekter Mythos. Vgl. hierzu auch Jörg Hanau: Scharpings schwerer Anstieg, in: Frankfurter Rundschau vom 5. August 2006 [http://fr-aktuell.de/in_und_ausland/hintergrund/?em_cnt=941919]. – Abgesehen davon: hatte Rudolf Scharping als Verteidigungs­minister nicht 1999 die deutsche Öffent­lichkeit mit der Erfindung des serbischen Hufeisen­plans „gedopt“?   
  26. El Pais vom 22. Juni 2002.   
  27. Wie wir wissen, haben deutsche National­mannschaften eher Probleme mit der B-Auswahl eines Landes, in dem Fußball eben nicht gerumpelt wird: siehe Portugal bei der Europa­meisterschaft 2000 und Tschechien bei der Europa­meisterschaft 2004.   
  28. Gerd Fischer und Jürgen Roth haben diesem Endspiel in ihrem Buch „Ballhunger“ (2005) ein eigenes Kapitel gewidmet: „Das Fatum der Vergeb­lichkeit. Wie die deutschen Brasilianer über die brasilianischen Deutschen im WM-Finale 2002 unverdient verdient obsiegten“.   
  29. Günter Rohrbacher List: Otto Rehhagel, in: Dietrich Schulze-Marmeling (Hg.): Strategen des Spiels (2005), Seite 226–238.   
  30. Dietrich Schulze-Marmeling: Johan Cruyff, in: Dietrich Schulze-Marmeling (Hg.): Strategen des Spiels, Seite 214–225.   
  31. Nicola Tietze hielt am 3. Juli 2006 einen öffent­lichen Vortrag unter dem Titel Zinedine Zidane oder das Spiel mit den Zugehörig­keiten. Zu diesem Zeitpunkt konnte sie noch nichts von Zidanes Ausraster sechs Tage später wissen. Die daraufhin über­arbeitete Fassung dieses Vortrags ist in Heft 4/2006 der Zeitschrift Mittelweg 36 abgedruckt [Seite 73–92].   
  32. Entschuldigung, aber kein Bedauern, in: Darmstädter Echo vom 13. Juli 2006. Zidane weiter: „Ich kann meine Handlung nicht bedauern, weil das bedeuten würde, dass er Recht hatte, es zu sagen. Ich kann es nicht, ich kann es nicht, ich kann es nicht sagen. Nein, er hat kein Recht, das zu sagen, was er sagt.“   
  33. Marco Materazzi erklärte gegenüber der italienischen Sport­zeitung Gazzetta dello Sport den Vorgang so: „Ich habe an seinem Trikot gezogen. Da hat er gesagt, wenn ich sein Trikot unbedingt haben wolle, könne ich es ja nach dem Abpfiff haben. Ich habe darauf geantwortet, dass mir seine Schwester lieber wäre.“ Selbst­verständlich findet Materazzi nichts dabei, Frauen zur männlichen Verfügungs­masse zu erklären, so von Mann zu Mann. Und von Mann zu Mann fügt er hinzu: „Man schließt Frieden nach verheerenden Kriegen, warum sollten wir keinen Frieden schließen?“ [afp am 5. September 2006] Ja, warum eigentlich nicht? Mord und Totschlag gehören zu einer ordend­lichen Männerwelt genauso dazu wie verbale und pedale Gewalt auf dem Fußball­platz. Allerdings frage ich mich dann, warum sich Herr Materazzi über den Kopfstoß beschwert. Oder gehört ein Kopfstoß nicht zu einem ordentlich brutalen Männer­sport? – Marco Materazzi erklärte laut Medien­berichten vom 18. August 2007 in der italienischen Fernseh­sendung „TV Sorrisi e Canzoni“, er habe zu Zidane gesagt: „Ich bevorzuge die Nutte von deiner Schwester.“   
  34. Elke Wittich: Für meine Schwester! in: Jungle World, Nummer 30 vom 26. Juli 2006 [www.jungle-world.com].   
  35. Christoph Bausenwein: Geheimnis Fußball (1995/2006), Seite 219.   
  36. Kriminelle Energie – Die Niederlande scheitern im schmutzigen Karten-Spiel, in: Süd­deutsche Zeitung: 2006, WM-Bibliothek Band 15, Seite 82–85.   
  37. 1986 Marokko, 1990 Kamerun, 1994 und 1998 Nigeria, 2002 Senegal, 2006 Ghana.   
  38. Monica Lierhaus (Hg.): Germany 2006, Seite 98. Winfried Schäfer: „In der Elfenbein­küste sind Strukturen vorhanden, die andere afrikanischen Nationen noch schaffen müssen. Doch wenn Afrika seine Probleme überwinden kann und die nötigen Strukturen in der Nachwuchs­arbeit und Organisation schafft, dann bin ich überzeugt, daß 2010 zwei afrikanische Mannschaften im Halbfinale stehen werden.“   
  39. Gert auf der Heide: „Teamgeist“ lässt den Torwart alleine, in: Darmstädter Echo vom 28. Juni 2006, Seite 31.   
  40. Meine Gedanken zur WM 2002.   
  41. Wilfried Hinrichs: Der Ball ist gar nicht rund, in: Darmstädter Echo, Sonder­beilage zur Fußball-Welt­meister­schaft, 6. Juni 2006, Seite 13.   
  42. Italien verlor das Elfmeter­schießen im Halbfinale 1990 gegen Argentinien und das Elfmeter­schießen 1994 im Endspiel gegen Brasilien. 1998 scheiterte Italien im Achtelfinale an Frankreichs Elfmeter­schützen. Das Elfmeter­schießen im Finale 2006 gegen Frankreich war das erste, das Italiens National­mannschaft gewann.   
  43. Das Darmstädter Echo zitiert am 5. Juli 2004 Franz Becken­bauer zur Suche nach einem neuen National­trainer mit den Worten: „Eigentlich brauchen wir einen Zauberer, doch den findest du nur im Zirkus Krone.“ Oder in Kalifornien. Pikanter­weise war der Wunsch­kandidat von Rudi Völler und Franz Becken­bauer der Trainer des frisch gekürten Europa­meisters – Otto Rehhagel; in gewisser Weise auch ein Zauberer.   
  44. „Vor ein paar Wochen hätten wir so ein Spiel noch 0:1 verloren“, zitiert das Darmstädter Echo am 5. Juli 2004 Michael Ballack.   
  45. Eine kluge Charakterisierung der Arbeit von Jürgen Klinsmann findet sich im Aufsatz „Jürgen Klinsmann – Reformator aus Kalifornien“ von Dietrich Schulze-Marmeling im von ihm 2005 heraus­gegebenen Buch „Strategen des Spiels“ auf den Seiten 332 bis 343.   
  46. Jens-Jörg Wannemacher: „Costa Rica hauen wir weg“, in: Darmstädter Echo vom 8. Juni 2006.   
  47. FreibÄrger, Freibergs alternative Zeitung, Nummer 51, August/September 2006, Seite 4. [www.freibaerger.de]   
  48. Mit so viel Müll erst im Halbfinale gerechnet, in: Darmstädter Echo vom 27. Juni 2006.   
  49. Aus der Traum, in: Darmstädter Echo vom 5. Juli 2006, Seite 1. Die Party ist aus, in: Süddeutsche Zeitung: 2006, WM-Bibliothek Band 15, Seite 132–133.   
  50. Wolfgang Kraushaar: Aus der Protest-Chronik, in: Mittelweg 36, Heft 4/2004, Seite 92–95.   
  51. Christoph Bausenwein: Geheimnis Fußball.   
  52. Goedart Palm: When The Music's Over. Reflexionen aus der beschädigten Welt der WM-Party-Patrioten, in: Telepolis vom 6. Juli 2006 [online]. Alexandra Welsch gibt in ihrem Bericht über die Abschluß­diskussions­veranstaltung zur Ring­vorlesung „Stadionwelten“ [www.stadiumworlds.de] an der TU Darmstadt die Soziologin Beate Krais wieder: „Das war ein einmaliges Fest und kein Ausdruck von Patriotismus.“ [Darmstädter Echo vom 21. Juli 2006]   
  53. „Allianz degradiert Frankfurt zur Filiale“. Ober­bürger­meisterin Petra Roth über den Arbeitsplatz-Abbau in der Stadt und den Start von Schwarz-Grün im Römer, in: Frankfurter Rundschau, Lokal­nachrichten vom 29. Juni 2006. Petra Roth sagt dort: „Wir haben in Frankfurt eine Arbeits­losenquote von 9,8 Prozent. Das ist schlimm, anderen Städten geht es jedoch viel schlechter. Aber es bleibt das Problem, wie wir neue Arbeitsplätze schaffen. Ich glaube, dass die Fußball-Welt­meister­schaft bei den Menschen zu einer Bewusstseins­änderung führt, dass sie jetzt auch einfachere Arbeiten annehmen. Dazu waren bislang leider manche Arbeitslose nicht bereit.“   
  54. Die Welt in Angst vor Deutsch­land? In die Feiern der WM-Gastgeber mischen sich immer mehr aggressive Töne, in: Neue Zürcher Zeitung vom 5. Juli 2006 [http://www.nzz.ch/2006/07/05/wmn/articleE9OQ7.html].   
  55. Eine instruktive, womöglich sogar repräsentative Blüten­sammlung deutsch-nationaler Gesinnung findet sich im Weblog der Initiative gegen die Bebauung des Sparbier­sportplatzes. [http://keindiakonieklinikum.blogger.de/stories/406373/]   
  56. Robert Kurz: Weltordnungskrieg (2003).   
  57. Francisco Goya: Capricho 43 (1799).   
  58. Peter Struck am 5. Dezember 2002. Siehe hierzu auch die „Ausführungen des Bundes­ministers der Verteidigung, Dr. Peter Struck, anlässlich der Presse­konferenz zum Thema ‚Weiter­entwicklung der Reform‘ am 21. Februar 2003 in Berlin“, war über die Such­funktion recht einfach auf der Webseite des BMVg zu finden.   
  59. Jürgen Elsässer: Kriegsverbrechen.   
  60. Wolfgang Pomrehn: Im Kongo künftig einen Fuß in der Tür, in: Telepolis vom 8. Juni 2006 [online].   
  61. Im Sinne von: das Land, in dem man und frau aus biografischen Gründen lebt.   
  62. Thomas Medicus: Im Archiv der Gefühle, in: Mittelweg 36, Heft 3/2006, Seite 2–15, Zitat auf Seite 15.